Thadeusz

Berlin - eine Metropole für Weicheier?

Kolumnist Jörg Thadeusz ärgert sich über mangelnde Selbstkontrolle in der Hauptstadt - nicht nur auf dem Fußballplatz.

Sie „fliegt nicht“, die Geschichte mit den Schiedsrichtern. Ein Medienausdruck, für ein Thema, das kein dickes Ding wird. Am Donnerstag bespricht die Runde bei Maybrit Illner im ZDF, ob die CDU in der Mitte „untergeht“. Das wäre vor allem dann spannend gewesen, wenn die versammelte Erlauchtschaft einhellig genickt hätte: Jawohl, totaler Untergang, CDU kaputt. Bei „Hart aber fair“ hat ein Gelegenheitslyriker für den Montagabend einen Reim blutig entbunden: „Der Osten hat gewählt, der Westen guckt gequält“.

Ich saß selbst am Dienstagabend in einer Runde mit klugen Beobachtern des öffentlichen Geschehens. Die Ehrenamtlichen, die jedes Wochenende bedroht und verprügelt werden, waren uns auch keine Sendeminute wert. Dabei muss es schon schlimm sein, wenn die Schiedsrichter sich nicht mit dem Spiel beschäftigen, das sie so sehr lieben. Sondern für ihre Unversehrtheit streiken müssen.

Gut, dass es die anderen gibt

Wir sprechen lieber nicht darüber, weil es so schnell peinlich wird. Für uns. Nicht für irgendwelche anderen. Die anderen sind die CDU, die Klimawandelleugner, die Cum-Ex-Profiteure. Die ganz anderen eben. Der, der auf dem Fußballplatz „Missgeburt“ in Richtung des Schiedsrichters brüllt, könnte unser Nachbar sein. Oder unser Nachbar könnte der sein, der wieder mal nichts sagt, wenn irgendein Asozialer sowas schreit. Ganz normale Berliner Härte. Wer Umgangsformen möchte, der soll nach London ziehen.

Bei uns klappt es eben nicht mit der Selbstkontrolle. Wir haben uns nicht im Griff und sind stolz drauf. Eine Metropole für Weicheier. Immer rausschreien, was einem die inneren Säfte hochgurgeln. Sich unter den vielen Entschuldigungen was Schönes aussuchen, wenn es mit der Zivilisation mal wieder nicht geklappt hat. Ich bin so arm. Ich bin so wütend. Vor allem: Ich bin niemals schuld. Gut, dass es die anderen gibt. Damit sie die unentschuldbaren Fehler machen.