Thadeusz

Diese Sache sollte man in der Berliner S-Bahn niemals tun

Eine Fahrt mit der Berliner S-Bahn bringt unseren Autor Jörg Thadeusz auf die Palme. Es gibt Dinge, die man wirklich lassen sollte.

Eine Fahrt mit der Berliner S-Bahn bringt unseren Autor Jörg Thadeusz auf die Palme. Es gibt Dinge, die man wirklich lassen sollte.

Eine Fahrt mit der Berliner S-Bahn bringt unseren Autor Jörg Thadeusz auf die Palme. Es gibt Dinge, die man wirklich lassen sollte.

Foto: Annette Koroll/dpa

Berlin. Wir haben Gemeinsamkeiten, sie und ich. Sie mag dicke Bücher, ich auch. Mit einem Wälzer von Charlotte Link sitzt sie in der S-Bahn. Ich stehe. Denn wir befinden uns noch vor der „Mobilitätswende“. Mein Fahrrad kostet extra. Wenn ich die Gesichter meiner Mitfahrer richtig deute, wünschen sie sich, dass ich mit dem Fahrrad auf dem Waggondach reisen möge. Die Frau mit den Gemeinsamkeiten teilt meine Abneigung gegen zu kleine Butterbrote. Während des Lesens verinnerlicht sie eine regelrechte Salami-Remoulade-Baguette-Situation.

Ich bewundere sie für ihre Snackbeherrschung, denn ihr fällt nur ganz wenig Gurke auf das vernünftige Polohemd. Dann tut sie es. Die Gemeinsamkeiten sind augenblicklich dahin und ich erschrecke, wie sehr mir das Berlinische zur zweiten Natur geworden ist.

Palme, Baum, Zinne, ganz egal, ich bin in Nullkommanix oben. Natürlich nur innerlich. Denn wir Preußen vermitteln im öffentlichen Raum nun mal gern das überlegene Temperament einer Gründerzeitfassade. Nichts bewegt sich. Während mir gleichzeitig der Furor durch die Blutbahnen schießt. Hätte ich das Talent zum Werwolf, wären mindestens auf den Ohren schon buschige Zotteln. Ich möchte den Namen ihrer Schwiegermutter herausfinden. Damit ich anrufen und sie anschwärzen kann.

Schließt niemals im Sommer einfach so das Fenster in der S-Bahn!

Das Geburtstagsgeschenk hätte ihrer Schwiegertochter überhaupt nicht gefallen, werde ich lügen. Beschreibe, wie sie es für einen Spottpreis gleich bei Ebay eingestellt hat. Ich erfreue mich an der Vorstellung, wie ich sie auf die Bühne des ZDF-Fernsehgartens manipuliere. Meine Stimme kommt aus dem Off, wenn ich erfinde, sie sei die schlimme Mutter von Luke Mockridge. Sage aber auch dazu, dass sie hier nicht stehen müsste. Aber sie wollte lieber erstinken als erfrieren und hat deswegen getan, was niemand tun sollte: Sie hat an einem sehr warmen Tag in der Berliner S-Bahn, ohne zu fragen, das Fenster geschlossen.