Thadeusz

Dem Aberglauben der Moderne mit einem Morgenbier begegnen

Ausstieg aus dem Fortschritt? Man kann es auch übertreiben, findet unser Kolumnist Jörg Thadeusz.

Was Greta Thunberg mit einem Morgenbier zu tun hat, erklärt Jörg Thadeusz in dieser Kolumne.

Was Greta Thunberg mit einem Morgenbier zu tun hat, erklärt Jörg Thadeusz in dieser Kolumne.

Berlin. Kaiser Karl V. war Bundeskanzler, französischer Präsident, spanischer Regierungschef und EU-Kommissionspräsident in einer Person. Mit dem Unterschied, dass ihn niemand demokratisch gewählt hatte, als er 1520 gekrönt wurde. Der Mann wurde von Tizian gemalt. Auch wenn er mit seinem stark vorstehenden Unterkiefer unglücklich aussah. Er trank morgens schon viel Bier, aber keiner durfte meckern. Kaiser eben. Und trotzdem: armer Karl.

Wir haben seine Tonne gesehen. Das dunkle Ding, in dem seine Höflinge den 58 Jahre alten Gichtkranken über die Berge geschleppt haben. In das Kloster Yuste, in der Extremadura in Spanien. Der Monarch ließ sich in die Abgeschiedenheit dieser aufregenden Landschaft schleppen, um dort stilvoll zu sterben.

Ich werde in diesem Leben leider kein Kaiser mehr. Trotzdem bin ich in einem Komfort zu der düsteren Tonne gereist, wie es sich Karl V. nicht einmal erträumen konnte. In einem Auto aus Wolfsburger Produktion. Allein das Hinschreiben dieses Bekenntnisses ist gleich wieder eine Zeitreise. So müssen sich Ketzer in Karls 16. Jahrhundert vorgekommen sein.

Wir Deutschen sind an allem schuld

Dieser Sommer ist bisher sehr religiös. Für alle, die über Schuld und Verzicht predigen wollen, findet sich eine Kanzel. Erst am vergangenen Sonntag saß wieder eine Autorin im ARD-Presseclub und erklärte, warum wir Deutschen schlicht an allem schuld sind. Regenwaldabholzung, die Sorgen der indigenen Völker, allgemeine Hitzewellen. 50 Jahre, nachdem sein Erfindungsgeist den Menschen zum Mond brachte.

Genau 50 Jahre, nachdem der Erstflug eines Jumbojets Flugreisen für viele erschwinglich machte, träumen die Rechtgläubigen vom Ausstieg aus dem Fortschritt. Sie möchten nichts lieber, als 14 Tage lang mit der kleinen Greta auf dem Weltrettungsboot den Pipieimer teilen.

Dann lieber kaiserliche Grandezza und dem Aberglauben der Moderne mit der Kraft eines Morgenbiers begegnen.