Thadeusz

Ich kandidiere! Warum Jörg Thadeusz SPD-Chef werden will

Weil ja keiner richtig will, rettet jetzt unser Kolumnist Jörg Thadeusz die SPD. Hier gibt’s sein Bewerbungsschreiben.

Jörg Thadeusz

Jörg Thadeusz

Foto: dpa/BM Montage

Berlin. Will ja keiner richtig, dann können auch Außenstehende: Ich kandidiere als SPD-Vorsitzender. Ich bin im Ruhrgebiet unter Sozialdemokraten aufgewachsen. Meine Verwandten gingen nicht zur Wahl, sondern ein Bier im Wahllokal trinken, um nebenher SPD anzukreuzen.

Meine Oma war eigentlich für Helmut Schmidt bestimmt. Da war sie sich ganz sicher. Durch geografische und andere Zufälle ist es mein Opa geworden. Aber sie weinte am 1. Oktober 1982. Er war abgewählt, ihr Helmut, den sie nie persönlich traf, aber für immer im Herzen trug.

Und so ist mein Programm auch voller Gefühl. Ich hole meinen DJ-Koffer aus dem Keller. Gute Laune durch Tanz. Leichtfüßigen Sozialdemokraten wäre etwas anderes eingefallen, als ihrer langjährigen Koalitionskollegin Ursula von der Leyen zum Abschied in die Waden zu beißen. Härtefälle wie Ralf Stegner schicke ich zu Parteifreunden in Spanien. Sehr großzügig ausgestattetes 24-Monate-Praktikum. Dann kann er vor allem unter dauerndem Sonnenschein Lächeln lernen.

Inhaltlich passen wir bisher nicht so gut zusammen. Denn für mich ist jeder Eingriff des Staates höchstens die zweitbeste Lösung. Als Freiberufler kann ich mir auch andere Träume vorstellen, als den von der lebenslangen Festanstellung. Unter den harten Sozialdemokraten zu Hause habe ich Leistung nicht als problematischen Begriff, sondern als Schmuckwort kennengelernt.

Wo wir ganz beieinander sein könnten: Ich bin überzeugt, dass jedem Flügel wachsen, der sich bilden kann und möchte. Eine Selbstverständlichkeit für eine Partei, die aus Arbeiterbildungsvereinen hervorgegangen ist. Könnten sich die Sozialdemokraten besser erinnern, würden sich die Parteipromis aber auch nicht vor dem Vorsitz verstecken. Dann rette ich eben die SPD. Danach möchte ich mir etwas gönnen und endlich Papst werden.