Thadeusz

Das Wichtigste ist das Gespräch – und zwar mit Verve

Jörg Thadeusz über ein soziales Netzwerk am Ende einer Sackgasse in Südspanien.

Jörg Thadeusz in Berlin (Archivbild).

Jörg Thadeusz in Berlin (Archivbild).

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Was für ein tolles soziales Netzwerk. Jeden Tag stehen sie da. Am Ende einer Sackgasse. Wer zu Fuß weitergeht, kommt an einen Wasserfall. Ein sehr kleiner Ort, der zu einer auch nicht großen Ortschaft in Südspanien gehört. Wir Touristen geraten hier hin, weil wir dann zu Hause prahlen können, wir hätten andalusische Ursprünglichkeit entdeckt.

Muss ja keiner wissen, wo wir das Auto abgestellt haben. Nämlich auf dem Parkplatz am Ortseingang. Den ein Melonenverkäufer nebenher bewirtschaftet. Das soziale Netzwerk steht am Eingang eines Lokals, wegen dem hier viele parken. Die Spezialität sind hausgemachte Pommes aus frischen Kartoffeln, auf denen bis zu vier wunderschöne Spiegeleier liegen können.

Die Hitze ist in dieser Gegend nichts neues

Die vier, fünf Männer, die täglich das soziale Netzwerk bilden, essen kaum. Zu viel zu tun. Kann ja sein, dass einer vorbeikommt, den man kennt. Dem müssen Sachen zugerufen werden. Es klingt so, als würden sie rufen, während sie gleichzeitig eine Mundspüllösung gurgeln. Kleine Kaffeetassen stehen in der Nähe der Männer. Natürlich Zigaretten.

Das Wichtigste ist aber wohl das Gespräch. Denn in das werfen sie sich mit der Verve, wegen der wir unseren verzagten Kulturkreis in diese Richtung verlassen. Keine Ahnung, worüber die Männer die ganze Zeit reden. Hitze kann es kaum sein. Denn die ist in dieser Gegend nichts Neues.

Die weißen, alten Dorfmänner blühen ohne Zweifel

Auf der Zeitschiene meines Twitter-Kontos lese ich, dass Menschen zu Hause ein geplantes Schweinefleischverbot mit der rassistischen Gewalttat in Hessen abgleichen. Andere finden den neuen englischen Premierminister lächerlich. Die Grünen im Bundestag twittern am Tag der Freude, was ihnen gute Laune macht: „Diversität, Zusammenhalt, eine Erde, die blüht“. Die weißen, alten Dorfmänner blühen ohne Zweifel. Denn wenn sie nicht lächeln, dann lachen sie laut. Wahrscheinlich ist es auch bei ihnen die „Diversität“, die ihnen so viel Freude macht.