Thadeusz

Wie soll ich den Meuthen in mir überwinden?

Eine Abrechnung mit dem AfD-Spitzenkandidaten von Jörg Thadeusz.

Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost

Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost

Foto: Fabian Sommer/dpa/ Annette Koroll

Lasse ich mir doch eine Meerjungfrau auf die rechte Gesichtshälfte tätowieren? Natürlich klingt das verzweifelt. Aber wie soll ich sonst den Meuthen in mir überwinden? Denn ich teile mit dem AfD-Europawahl-Spitzenkandidaten Jörg Meuthen nicht nur den Vornamen. Wir kommen leider auch ähnlich daher. Er ist nur sieben Jahre älter als ich. Beigefarbene Baumwollhosen kleiden uns ähnlich unvorteilhaft. Diese Hosen tun nichts für uns, würde Guido Maria Kretschmer sagen, sollten der Jörg und ich bei „Shopping Queen“ mitmachen.

Wie kann ich äußerlich den tiefen Graben sichtbar machen, der uns inhaltlich trennt? Was würde aus einem gleichgeschlechtlich liebenden Berühmten wie Kretschmer eigentlich in einem Land, in dem Björn Höcke für eine AfD-Junta wieder eine Wolfsschanze ausbaggern darf? Meine türkischstämmigen Boxfreunde in meiner Heimatstadt waren mir lieb und teuer. Ein niedersächsisch-arabischer Lieblingskollege hat mit einer Thymian-Anregung auf ewig meine Salatdressings verbessert. Einer meiner besten Freunde ist italienisch-niederländisch-stämmiger Hesse mit total deutschem Pass und ebenso total schwarzem Haar.

Herr Meuthen hat auf einem Parteitag seinen Spießgesellen zugerufen, in Fußgängerzonen wären viel zu wenig Deutsche zu sehen. Wahrscheinlich wäre ich in Meuthens Augen Germane genug. Nichts möchte ich weniger. Der deutsche (!) Philosoph Philipp Hübl schreibt in seinem Buch „Bullshit Resistenz“ von den ‚Trotteln‘, die nötig sind, damit Falschnachrichten und sonstiger Unfug in der Welt bleiben. Leute, die nicht wirklich interessiert, was richtig und was falsch ist. Hauptsache, es klingt drastisch. Auf die setzt Professor Meuthen. Klimawandel, österreichische Polit-Gangster, selbst Inklusion behinderter Kinder – zu allem sagt er etwas, was keinem zweiten Gedanken standhält. Auch deswegen möchte ich mich so gern auf den ersten Blick von ihm unterscheiden.