Thadeusz

USA, Tag der Arbeit – und eine Rast im Himalaya-Grill

Eine Betrachtung zwischen den Feiertagen von Jörg Thadeusz.

Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost.

Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost.

Foto: picture alliance/ BM

Die amerikanischen Freunde, die zu Besuch in Berlin waren, brachten als Gastgeschenk eine Fußmatte mit. Auf der wird Präsident Trump verwünscht. Ihr Armen, denken wir mit dem klammheimlichen Gefühl von Überlegenheit. Wenn es darum geht, wen die als Staatschef aushalten müssen. Allerdings droht ein leichter Schwindel, sollten wir den Blick komplett drehen. Wie könnten die auf uns gucken? Berlin ist sowieso „great“. Ein Freund aus Washington seufzte dann aber doch leise, als es keinen Bummel im KadeWe geben konnte. Natürlich geschlossen. Sonntags immer. Aber auch am Ostermontag.

Wenn den Berliner Ungläubigen, Atheisten, Ungetauften und Yoga-Buddha-Freunden die Auferstehung Christi wurscht ist. Sie aber trotzdem gern zuhause bleiben. Zudem befinden wir uns generell zwischen Feiertagen. Von Ostern ist es über den Tag der Arbeit nicht weit zu Christi Himmelfahrt am 30. Mai. Der Feiertag, an dem Jesus seine Jünger um sich scharte, um mit einem Bollerwagen voller Schnaps und Bier grölend durch Galiläa zu ziehen. Würde ich auf meine amerikanischen Freunde hören, sollte ich an Feiertagen mit dem Enteignen beginnen. Ich könnte das Geld von Radausflüglern vergesellschaften. Wer nach 45 Kilometern auf dem Fahrrad auf den Hungerast gerät, bleibt beispielsweise am Bahnhof Rathenow unterzuckert. Der Brandenburger kann keine Butterbrote verkaufen, denn er sitzt betend zuhause. Ich fand Zuflucht im Himalaya-Grill. Köstliche Pizza, gebacken von Männern aus Bengalen.

Jetzt nur nicht den Fehler machen und sich überlegen, wie die uns wohl sehen. Eine zahnarztsauber durchsanierte ostdeutsche Kleinstadt. In der es die Einheimischen dennoch zu schwer haben, um mit Ausflüglern ins Geschäft zu kommen. Da müssen es Zuwanderer machen. Die sich in ihrer leichtlebigen südasiatischen Heimat mit zu viel neoliberalem Ehrgeiz vollgepumpt haben.