Thadeusz

Wir Freizeitsportler quälen uns nur für unsere Figur

Unser Kolumnist Jörg Thadeusz weiß: Echte Soldaten bereiten sich auf echte Einsätze vor. Das gilt auch im Sport.

Jörg Thadeusz.

Jörg Thadeusz.

Foto: Annette Koroll

Das Ehepaar hatte sich in einem Sporthaus im Partnerlook eingekleidet. Leider zeigte sich recht bald, wie wenig das als Vorbereitung für diesen Parcours ausreichte. Ein Mittelstreckenlauf auf einem militärischen Übungsgelände in Potsdam. Ausgerichtet von einem Berliner Sportclub. Wir hatten dafür bezahlt, durch hüfthohes kaltes Wasser in einem Container zu waten. Uns über Klettergerüste zu wuchten, oder unter einem Tarnnetz durch Matsch zu robben.

Im Sand-Labyrinth zischte der selbst schon deutlich mitgenommene Partnerlook-Mann seiner Partnerlook-Frau zu: „Jetzt musst du beißen, Schatz, jetzt musst du alles rausholen.“ Im Verlauf der Strecke hatte ich nicht mit dem Schweinehund zu kämpfen. Sondern mit meinem inneren Spielverderber. Hier, auf diesem Gelände, haben sich echte Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf echte Einsätze vorbereitet. Bei denen sie reale Angst um ihr Leben haben müssen. Während ihre Partner, Mütter, Väter und Geschwister nachts ein Sudoku-Rätsel nach dem nächsten lösen, weil sie vor lauter Sorge sowieso nicht schlafen können. Wir Freizeitsportler ziehen uns aber nicht an einem dicken Seil auf ein Hindernis, um uns in diese jungen Leute hineinzuversetzen. Wir quälen uns für unsere Figur. Für die Anerkennung der Arbeitskollegen. Für Deutschland kämpfen? Alles, wirklich alles, aufs Spiel setzen für das, was die Mehrheit des deutschen Parlaments für nötig hält? Beschützen, was nicht nur persönlich, sondern im größeren Maßstab wichtig ist?

Die Berliner SPD hat am vergangenen Wochenende entschieden, dass an den Schulen ‚Killer‘ nichts zu suchen haben. Deswegen dürfte es keine Informationsveranstaltungen der Bundeswehr geben. Falls Sie Soldatin oder Soldat der Bundeswehr sind und den über diesem Text abgebildeten ehemaligen Zivildienstleistenden irgendwo treffen: Lassen Sie sich bitte auf eine Tasse Kaffee einladen. Auch wenn der Dank an Sie eigentlich größer ausfallen müsste.

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