Stilfrage

Model-Konkurrenz aus dem Internet

Zum Verwechseln echt: Ein nicht-reales Model wird zum Gespräch in der Fashion-Branche, beobachtet Cordula Schmitz.

Kolumnistin Cordula Schmitz

Kolumnistin Cordula Schmitz

Foto: Marcela Fae

Shudu ist der Name eines neuen, mysteriösen Supermodels. Ihren ersten großen Auftritt hatte sie, als ein Bild von ihrem Gesicht von der Beauty-Marke Fenty Beauty, die Rihanna gehört, auf Insta­gram geteilt wurde. Die dunkelhäutige Shudu mit ihrem makellosen Gesicht trägt einen knallorangefarbenen Lippenstift des Unternehmens auf ihren wohlgeformten Lippen. Das südafrikanische Model ist mittlerweile in der Szene bekannt, es gibt mehrere Bilder von exklusiven Fotoshootings von ihr. Aber Shudu tritt niemals auf dem Laufsteg auf, obwohl ihre athletische Figur perfekt für alle möglichen Schnitte und Stoffe ist.

Denn: Shudu ist nicht real. Bei ihr handelt es sich um die außergewöhnliche Arbeit des britischen Fotografen Cameron James-Wilson. Wilson möchte mit der Erschaffung der 3-D-Figur von Shudu auch zur Vielfalt in der Modefotografie beitragen. Farbige Models werden dort immer noch deutlich weniger eingesetzt als weiße Frauen und Männer. Ihm ist die Darstellung der jungen Frau so gut gelungen, dass selbst die Beauty-Marke davon ausging, es handle sich um eine echte Person.

Shudu ist nicht das einzige Model, das nur virtuell existiert. Weniger aufwendig sind solche Models für die Branche allerdings nicht. Das größte Problem ist es, ihnen virtuelle Kleidung zu besorgen. Wenn Designer mit diesen speziellen 3-D-Kunstwerken zusammenarbeiten wollen, müssen die Kleider und Looks aufwendig ins Netz übertragen werden. Dass diese Models irgendwann ihre echten Model-Konkurrentinnen ersetzen, hält selbst der Kreateur des 3-D-Models für unwahrscheinlich.

Obwohl sich Shudu niemals mit Entwicklungen beschäftigen muss, die echte Models fürchten. Sie nimmt nicht ab oder zu und, viel wichtiger, sie altert nicht. In einer Industrie, die ständig nach Neuem lechzt, ein echter Vorteil. Eines aber könnte ein echter Vorteil für nicht virtuelle Kundinnen sein: In Zukunft könnten wir uns das lästige Shoppen von Bikinis oder langweiligen Hosenanzügen einfach sparen. Dann schicken wir einfach unseren Avatar los, der sich mit dem Kram rumschlagen kann.

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