Stilfrage

Streetwear statt Rente: Wenn Hip-Hop-Stars Mode machen

Statt auf die Rente zu warten, machen Rapper wie Kanye West oder Michi Beck lieber Mode. Gut so, findet Cordula Schmitz.

Michi und Ulrike Beck haben zusammen das Modelabel Beck to Beck gegründet

Michi und Ulrike Beck haben zusammen das Modelabel Beck to Beck gegründet

Foto: Reto Klar

Neulich sahen mein 81-jähriger Vater und ich ein Fußball-Spiel der WM. Die Deutschen waren noch nicht ausgeschieden, und nach dem Spiel gegen die Schweden gab es im ZDF eine Live-Schalte zum Fanfest mit großer Musikbühne, auf der eine sehr bekannte deutsche Hip-Hop-Band ein Lied zum besten gab: die Fantastischen Vier.

Während ich noch über die grauen Haare von Smudo nachdachte, kam der Kommentar meines Vaters sehr treffend aus dem Off: „Was machen die alten Männer da?“. Natürlich ist man selbst auch gealtert, stellt man dann erschrocken fest. Aber kein Grund, sich zur Ruhe zu setzen.

Michi Beck, ebenfalls Mitglied der Hip-Hop-Grandseigneurs, hat gemeinsam mit seiner Frau Ulrike gerade ein Modelabel gegründet und setzt auf Basics im Unisex-Stil. Das erinnert ein wenig an die Werke von Kanye West, ist aber längst nicht so hochpreisig. Insgesamt eine clevere Strategie, die Rente noch ein bisschen aufzubessern, vereinigt man doch die Trends „Musiker machen Mode“ und „Streetwear wird zum Treiber der Mode“.

Gerade letzterer fand seinen bisherigen Höhepunkt in der Verpflichtung von Designer Virgil Abloh für das französische Modehaus Louis Vuitton. Der US-Amerikaner mit afrikanischen Wurzeln hatte vorher mit seinem Label Off-White für Aufmerksamkeit gesorgt. Bisher hat er nicht enttäuscht und Kanye West war da, um ihm bei seiner ersten Schau in Paris zu gratulieren.

Streetwear übernimmt die Macht, und daher ist es nur angeraten, auch auf der Berliner Fashion Week sein Augenmerk als Endverbraucher intensiv auf die Messen in der Stadt zu werfen. Die Premium hat mittlerweile das Geschäft fest im Griff: Es gibt die große Plattform mit 1000 Ausstellern am Postbahnhof, die sportliche Seek und die Skaterplattform Bright. Wer es etwas allgemeiner mag, für den ist die Panorama genau richtig. Dort gibt es immer etwas zu entdecken – und sei es nur das Kunstwerk von Anselm Reyle am Eingang. Ein Vorzeichen für eine weitere fruchtbare Zusammenkunft in der Szene: Kunst, Mode und Streetwear.

Mehr Stilfragen:

Ein Hoch auf das Hawaii-Hemd

Das geschickte Spiel mit den Regeln

Das Blaue Wunder aus Secondhand

Abschied von einer Modelegende