Stilfrage

Ein Hoch auf das Hawaii-Hemd

Cordula Schmitz verrät wie das Hawaii-Hemd stadttauglich wird.

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Foto: Marcela Fae

Im Film „Blue Hawaii“ trägt Elvis Presley in einer Szene ein rot-weißes Hemd des Textilfabrikanten Alfred Shaheen. Er verschaffte damals dem eher unbekannten Hawaii-Hemd einen Popularitätsschub. Jeder wollte so cool wirken wie der King mit Ukulele und Blumenkette – eine Möglichkeit, konservativ und doch mit Hippie-Touch zu erscheinen. Auch Frank Sinatra trug das Hemd von der Insel und in den 1980er-Jahren gab es wohl niemanden, der Tom Selleck alias Thomas Magnum in der gleichnamigen Serie ohne Hawaii-Hemd beschrieben hätte. Nun feiert das Hemd sein gefühlt hundertstes Comeback. Echt ist es nur mit geradem Saum und Knöpfen aus Kokosnuss. Bei den Mustern gibt es keine Begrenzung: Palmen, Krokodile, Blüten, Surfer oder Hula-Frauen – alles ist möglich. Das Hemd steht für sorgenfreie Urlaube unter Palmen und den lässigen Insel-Lifestyle.

Einige Regeln gibt es dennoch zu beachten. Nicht umsonst hat das Hemd einen geraden Saum und wird deshalb auch über der Hose getragen – egal ob
diese lang oder kurz ist. Die Form des Hemdes geht auf den Schnitt des „Bayan“ oder des „Palaka“ zurück, die einen einfachen Arbeitskittel der polynesischen Bevölkerung darstellen. Dementsprechend locker und weit darf das Hemd sein. Bei den Prints geht es bunt zu, daher kann es angebracht sein, den Rest des Outfits eher sachlich und in gedeckten Farben zu halten. Stadttauglich und sogar als Kleidung für das Büro geht das Hemd so auch.

Bitte keine Flip-Flops oder kurze Hosen zum Musterhemd kombinieren, es sei denn sie arbeiten vom Strand aus. Mit heller Hose und einem Paar Desert-Boots fühlt sich das Outfit auch hinter dem Schreibtisch wohl. Wie man ein echtes Hipster-Outfit daraus macht, zeigt sich gerade an Stil-Ikone Freddy Mercury: Weite Hose, weites Hawaii-Hemd und eine schulterbetonende Lack-Lederjacke – so lässig trat der Sänger der Gruppe Queen gern nach seinen Auftritten vor Freunde und Fans. Und was in den 80er-Jahren für den Strip in Las Vegas gut genug war, ist für den Berliner Club oder das Dinner in Mitte unschlagbar.

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