Stilfrage

Das geschickte Spiel mit den Regeln

Auf der royalen Hochzeit am Sonnabend tragen Männer Uniform und Frauen Hut, weiß Cordula Schmitz.

Am Sonnabend geben sie sich das Ja-Wort: Prinz Harry und Miss Meghan Markle

Am Sonnabend geben sie sich das Ja-Wort: Prinz Harry und Miss Meghan Markle

Foto: Ben Birchall / dpa

Falls Sie am Sonnabend zur Hochzeit von Prinz Harry und Miss Meghan Markle eingeladen sind, habe ich noch eine Info für Sie: Bitte lassen Sie Schwert oder Dolch zu Hause. Laut Dresscode, der mit der Einladung veröffentlicht wurde, ist es in Ordnung, wenn Sie Uniform tragen. Aber bitte ohne die dazugehörigen Waffen. Falls gerade keine Uniform zur Hand ist, erscheinen Herren im "Morning Coat", also Frack, graue Hose, Weste und Krawatte, abgerundet durch schwarze und polierte Schuhe. Damen haben im "Morning Dress" zu erscheinen. Das bedeutet, Schultern und Knie sind mit Stoff bedeckt, Schwarz und Weiß fallen als Farben weg. Schuhe sind vorn geschlossen, und es muss unter allen Umständen eine Strumpfhose getragen werden.

Auch das Hochzeitsgeschenk bleibt bitte daheim oder wird vor der Feier im Kensington Palast abgegeben. Der Grund ist ganz simpel. Der Sitzplan, der für die Location St. George ausgearbeitet wurde, ist denkbar eng. Da passt kein Picknickkorb für Harry und Meghan zwischen Sie und Ihren Sitznachbarn. Spannend wird diese Enge besonders unter dem Gesichtspunkt des sehr formalen Dresscodes: Damen sollen Hut tragen. Fascinators, die bei den Briten und auf britischen Hochzeiten beliebt sind, wurden mit diesem Schritt ausgeladen. Die bunten Gebimsel auf dem Kopf sind nicht immer vorteilhaft, aber spektakulär.

Auf Kates Hochzeit trugen die Cousinen von Harry und William leberwurstfarbene Kreationen, die sich auf den royalen Häuptern festgebrezelt hatten. Solche extravaganten Auftritte wird es wohl am Sonnabend weniger geben. Niemand möchte der Braut das Scheinwerferlicht stehlen. Trotzdem besteht eine Hoffnung auf kreative Auswüchse. Kate selbst hat auf der Hochzeit ihrer Schwester vorgemacht, wie es geht. Sie wählte eine Hutkreation der Britin Jane Taylor. Der Entwurf orientierte sich genau an der Grenze der Größe, die für einen Hut noch geht, aber für den Fascinator schon zu viel gewesen wäre. Auch bei solch konservativen Ereignissen gilt damit: Man muss die Regeln kennen und sie dann für sich richtig spielen.

Mehr Stilfragen:

Das Blaue Wunder aus Secondhand

Abschied von einer Modelegende

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.