Stilfrage

Abschied von einer Modelegende

Der Tod von Hubert de Givenchy erinnert daran, dass nur noch wenige Designer zeitloser Klasse erreichen, meint Cordula Schmitz.

Cordula Schmitz

Cordula Schmitz

Foto: Marcela Fae

Berlin. „They don’t make them, like they used to“ – (sie machen sie nicht mehr so wie früher) sagt man in den USA, wenn etwas von besonderer Qualität vom Markt verschwindet. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um ein Produkt oder ein Handwerk oder um eine spezielle Art von Menschen handelt. Der Tod des Designers Hubert de Givenchy, der vor wenigen Tagen starb, erinnert daran, dass es nur noch wenige Designer in der Modebranche gibt, die eine solche Klasse erreichen. Er war der Mann, der das Kleid für das vergangene Jahrhundert entwarf: das kleine Schwarze. Der französische Aristokrat schneiderte es für seine Muse Audrey Hepburn.

Wenig später sah man ähnliche Modelle an Jackie Kennedy und Grace Kelly. Lustigerweise dachte der Franzose zunächst nach einem Telefonat mit Hepburn, sein Treffen zur Anprobe würde mit der deutlich herberen Katharine Hepburn stattfinden. Stattdessen tauchte die zierliche Audrey auf. Givenchy war das egal. Er war einer der wenigen Designer, die Frauen liebten, wie sie waren. Vermutlich, weil er nach dem frühen Tod seines Vaters nur von Frauen erzogen worden war.

Mit 17 schickten sie ihn nach Paris, um Kunst zu studieren. Dort arbeitete er für die damals noch unbekannten Designer Pierre Balmain, Elsa Schiaparelli und Christian Dior. Er war es auch, der als erster Designer Teile seiner Kollektion immer wieder neu kombinieren ließ. Die Oberteile passten nicht nur zu einem Rock, die Pullover konnte man mit all seinen Hosen der Saison tragen. Ein echter Fortschritt. Bei Givenchy gab es unter der kreativen Leitung des Namensgebers immer nur Mode, niemals Konzeptkunst.

Seinen Nachfolgern John Galliano, Alexander McQueen oder dem erfolgreichsten der drei, Riccardo Tisci, konnte er wenig abgewinnen. Er konzentrierte sich in seinen letzten Jahren auf ein Fach, bei dem ebenfalls Einfachheit, Gradlinigkeit und Geduld am Ende ein Gesamtkunstwerk erschafft: Auch seine Lieblingsblume ist ein Stilbeweis. In seinem Garten im französischen Jonchet waren ihm die weißen Rosen die liebsten Pflanzen. Einfach, aber elegant.

Mehr Kolumnen von Cordula Schmitz:

Auf der Berlinale ist die Trendfarbe Solidaritätsschwarz

Einhorn-Tutu vs. Pilgervater-Look

Diese Accessoires machen den Look für den Herbst

Von Deckmänteln und kurzen Röcken