Stilfrage

Lang leben die Supermodels der 90er

Jeder „Influencer“ aus dem Netz wirkt gegen diese geballte Laufsteg-Power wie eine Eintagsfliege, findet Cordula Schmitz.

Cordula Schmitz

Cordula Schmitz

Foto: Marcela Fae

Es war der Coup der Mailänder Modewoche: Donatella Versace beendete ihre Schau mit dem Auftritt der 90er-Jahre-Supermodels Naomi Campbell, Claudia Schiffer, Carla Bruni, Cindy Crawford und Helena Christensen. Es war ein Geheimprojekt, das einiges an Planung mit sich brachte. Eine gemeinsame Anreise oder ein gemeinsames Hotel für die Damen kam nicht infrage, war aber sicher noch das geringste Problem.

Donatella hatte sich den Auftritt nicht zuletzt als Andenken für ihren ermordeten Bruder Gianni ausgedacht. Er, der ebenfalls eine Ikone der 90er-Jahre gewesen ist, hatte nicht wenig zum Ruhm der Supermodels beigetragen. Die Damen galten als seine Musen. In goldenen Kleidern schwebten sie nun in Mailand über den Laufsteg. Und zeigten damit einmal mehr: Ihre Ära ist zwar vorbei, doch von den modernen Schönheiten kann ihnen nach wie vor keine den Auftritt stehlen.

Jeder noch so bekannte „Influencer“ aus dem Netz wirkt gegen diese geballte Laufsteg-Power wie eine Eintagsfliege. Die neuen Supermodels wie Bella Hadid oder Kendall Jenner bringen andere Qualitäten mit sich, agieren weniger als Musen, sondern viel mehr als Multiplikatoren. Ob das den Entwürfen der Designer guttut, sei dahingestellt. In der Rückschau war es ein geradezu magischer Zufall, der diese Frauen zur gleichen Zeit in die Welt der Mode brachte. Nur eine Entscheidung der Versace-Schwester war wirklich geradezu bedauerlich. Donatella hatte wie die böse Fee im Märchen eines der Models gar nicht erst eingeladen, die eigentlich auch zum Klub der Supermodels gehört.

Linda Evangelista fehlte. Sie bekam kein goldenes Kleid. Der Grund dafür war vermutlich ihre Gewichtszunahme. Auf aktuellen Fotos sieht man Evangelista mit ihrem Sohn durch New York spazieren. Sie wirkt zufrieden. Donatella hat damit keinen guten Stil bewiesen. Im Internet feiert man verschiedenste Körperformen, statt sie auszublenden. Ein Vorgehen, das für einen erweiterten Kundenkreis sorgt. In Zeiten, in denen immer mehr Marken mit ihrer Existenz zu kämpfen haben, keine schlechte Idee.

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