Single Mom

Und sie dateten sich glücklich bis an ihr Lebensende

Gwyneth Paltrow lebt mit ihrem frisch angetrauten Ehemann in getrennten Wohnungen. Damit macht sie es vielen Paaren nach.

Ein Baum pflanzen, kein Haus bauen: Das gewöhnliche moderne Paar sitzt gerne auf einer Wiese und weniger im Eigenheim.

Ein Baum pflanzen, kein Haus bauen: Das gewöhnliche moderne Paar sitzt gerne auf einer Wiese und weniger im Eigenheim.

Foto: iStockphoto

Berlin. Das vorletzte Mal, dass Gwyneth Paltrow (46) auf sich aufmerksam machte, verkaufte sie auf ihrer supererfolgreichen Webseite goop.com Lustkugeln aus Rosen-Quartz, aber das soll hier und heute keine Rolle spielen. Denn absurderweise machte der Hollywood-Star, der gerne Maßstäbe in Lifestyle-Angelegenheiten setzt, vergangene Woche einen ganz anderen Punkt.

In einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Times erklärte die Oscar-Gewinnerin nämlich, dass sie und ihr Mann Brad Falchuck nicht zusammenwohnen. An vier Tagen der Woche sei er meist bei ihr daheim, die restliche Zeit verbringt er in seinen eigenen vier Wänden, wo auch seine beiden Kinder aus einer früheren Beziehung übernachten.

Zahl der „LAT“-Paare steigt an

Es gebe keine Regelmäßigkeiten, wann das Paar sich sehen würde, sagt sie in dem Interview (Bezahlinhalt). Vielmehr sei jeder auf eine Art frei, zu kommen und zu gehen, wann er wolle. Paltrow, die mit ihrer Scheidung von Coldplay-Frontmann Chris Martin das „Conscious Uncoupling“ (dt. sprich: die freundliche, bewusste Trennung) erfunden hat, erklärt sich somit auch zur Fachfrau für „Living Apart Together“ (dt., sprich: zusammen getrennt leben).

Laut einer Studie der Berliner Humboldt-Universität stieg die Zahl der „LAT“-Partnerschaften in Deutschland zwischen 1992 und 2006 übrigens um mehr als 70 Prozent an.

Und reden wir gar nicht lange darum herum, mir ist diese Einstellung sehr sympathisch. Als ich als Mutter von zwei kleinen Kindern vor drei Jahren meinen Freund kennenlernte, waren Familien, Freunde und Bekannte in Aufruhr. „Und, zieht ihr jetzt zusammen“, wurde ich sehr häufig gefragt. Ich konnte sie abwimmeln. „Nein. Viel zu früh. Wir daten. Das ist doch schön“, waren gewöhnlich meine Gesprächskoordinaten zu diesem Thema. Nach einem Jahr begann mein Umfeld sich zu wundern. Kein Haus, keine Wochenenddatsche, keine Zukunftspläne?

Meine Mutter prüfte skeptisch, ob ich traurig sei, ein Kollege fand uns merkwürdig, eine Freundin wollte gar einen Plan mit mir schmieden, wie ich meinen Freund umstimmen könnte. Spätestens dann – die Hölle sind immer die anderen – stellte ich mir dieselben Fragen. Bin ich normal, weil ich gerne alleine, aber nicht einsam mit meinen Kindern wohne? Meine Couch liebe. Alleine Netflix zu schauen.

Alltag wäre dagegen das Gegenteil von Dates in der Woche

Das Gefühl, abends alleine im Bett liegend in die Sterne zu schauen. Die Krümel nicht (sofort) mit einem Lappen vom Tisch zu wischen, wenn ich ein Marmeladenbrot gegessen habe. Wer ein Buch schreiben will, muss alleine sein. Ich schreibe gerne Bücher. Und kurz bevor ich ihn wiedersehe, hüpft mein Herz vor Freude. Dann überlege ich, was ich koche. Oder werden wir essen gehen?

Vielleicht sollte ich das Kleid tragen, dass er noch nicht kennt. Vielleicht kann er aber auch das Regal anbringen, das immer noch in seiner Schachtel auf dem Boden steht. Ich mache mir nie Sorgen um Sehnsucht, sie ist immer da.

Alltag wäre dagegen das Gegenteil von Dates in der Woche. Ich will nicht über Einkäufe und Haushaltsausgaben, die Kinder, den Ablauf des Tages diskutieren und wer das Päckchen von der verfluchten DHL-Packstation abholt, wer schuld ist, dass die Milch leer und der Mülleimer voll ist, keine Spültabs mehr da und die Blumen eingegangen sind.

Im Geiste bin ich bei meiner Instagram-Freundin Gwyneth

Ich will alleine vor dem Fernseher heulen, wenn ein Mitglied der britischen Königsfamilie heiratet und dann am Telefon: „Ach, nichts“ sagen können. Nicht jeder Bad-Hair-Day, nicht jeder Schnupfen ist Qualitätszeit und Poollatschen können sehr gemütlich sein.

Im Geiste bin ich unbekannterweise bei meiner Instagram-Freundin Gwyneth. Die ganz bestimmt genauso viel Lust auf Poollatschen und getrennte Badezimmer hat wie ich. Oder um es mit den Worten des großen Philosophen und bekennenden Swingers Sting zu sagen: If you love somebody set them free. So in der Art.