„Single Mom“

Greta Thunberg ist der größte Schatz unserer Gesellschaft

Junge Frauen denken, wenn sie Engagement und Leistung zeigen, dann können sie weit kommen. Das stimmt allerdings nur bedingt.

Greta Thunberg ist ein Vorbild für eine ganze Generation.

Greta Thunberg ist ein Vorbild für eine ganze Generation.

Foto: FMG

Berlin. . Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du, sagte Mahatma Gandhi einst. Unweigerlich musste ich daran denken, als Greta Thunberg (16), schwedische Klima-Aktivistin, Gründerin der #fridaysforfuture, am Samstag bei der Preisverleihung der Goldenen Kamera ihre Rede hielt.

Ein Moment, der spontane Rührung erzeugte, behaupte ich jetzt mal, gerade weil ich Mutter einer Tochter bin.

Und dabei ging es garantiert nicht um Emotionalität oder gar Mitleid („Das Mädchen spricht vor einem so großen Publikum“), das ich für Greta Thunberg empfand, sondern um eine merkwürdige Art von Stolz auf eine neue Generation von Frauen, die ich in allen Töchtern, Freundinnen und jungen Influencerinnen sehe.

Greta Thunberg bleibt gelassen

Greta Thunberg stand da, sprach klar und deutlich, setzte Pausen und schaute die Menschen an, die sie sonst kritisiert (Erwachsene, potenzielle SUV-Fahrer), und sagte, dass es ohne diese nicht zu schaffen sei. Sonst ein rhetorischer Profi-Trick – Thunberg sagte es aber aufrichtig. Das merkt ein Publikum. Gerne würden Kritiker in ihr die aufgeregte unerhörte Jugendliche sehen, die wütend ist. Sie bleibt dagegen gelassen und spricht immer wieder von einer „merkwürdigen Welt“. Ihre Reflexionsebene dazu ist authentisch und erstaunlich.

Greta Thunberg – sie ist (wie alle unsere Töchter) der größte Schatz, die größte Ressource unserer Gesellschaft. Junge Frauen, die glauben, wenn sie Engagement und Leistung zeigen, dann können sie es sehr, sehr weit schaffen. Sie versuchen nicht (Achtung, Neuheit!), den älteren Politikern, Kollegen oder Freunden zu gefallen, sie setzen nicht auf die Karte „junge, gut aussehende Frau macht Sachen“.

Die Generation von Greta fordert Taten

Sie sind Nervensägen mit Nehmer-Qualitäten, sie sind unbeliebt bei Autoritätspersonen und Mächtigen. Sie werden älter werden, erfahrener, sie werden Kinder kriegen und vielleicht heiraten, ohne den obligatorischen Karriereknick zu erleiden, weil sie nie auf die klassischen „Waffen der Frauen“ gesetzt, nie mitgelacht haben bei blöden sexistischen Späßen in der Teeküche, wo ihnen eigentlich zum Heulen zumute war, nie ein Kleid zu einer schönen Rede angezogen haben (Greta kam in Turnschuhen).

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Sie wollen sich nicht auf der Wirksamkeit ihrer Attraktivität ausruhen, sondern fordern Taten. Eines Tages werden sie sich nicht den Vorwurf anhören müssen, verbittert oder frustriert zu sein, weil sie stets zur Teilnahme (auch der Alten) aufgerufen haben.

Allen Gretas der Generation Next des neuen (weiblichen) Führungsstils wird nicht die Schmach zuteil werden, aufgrund von Schwangerschaft, Karriere ihres Partners oder Burnout im mittleren Management hängen zu bleiben oder in der Bedeutungslosigkeit einer Gallionsfigur der Stunde.

Andreas Scheuers absurder Vorschlag

Sie werden zudem von frühester Jugend an wissen, was es bedeutet, Kritiker und „Hater“ zu haben. Sie werden von der Erfahrung geformt und gestärkt sein, dass wachsender Erfolg automatisch zu Ablehnung führt und zur Aufforderung für Chef-Erklärer wird, sie in die Gesetzmäßigkeiten des Planeten einzuweisen.

Die Glücklichen, sie werden sich nicht in ihren Dreißigern und Vierzigern damit auseinandersetzen müssen – sondern es gleich mit einpreisen, verstehen, dass Erfolg vom Absender der Nachricht abhängt. Ein Beispiel gefällig: Vergangene Woche präsentierte das Ministerium von Andreas Scheuer (CSU) ein Papier, dessen Hauptbotschaft ist, dass sich die deutschen Klimaziele 2030 erreichen lassen, ohne die Mobilität einzuschränken.

Und während meine Generation hier wütend (frustiert?) auf den Tisch hauen würde, dass der Vorschlag an Unterkomplexität nicht zu überbieten sei, stelle ich mir vor, wie die Greta-Generation einfach nur sanft ihre Hand auf meine legt und dabei – wie einst Gandhi – milde lächelt.

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