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Café-Verbot für „Supermuttis“? Dann bin ich gerne Supermutti

In einem Hamburger Restaurant haben Kinder, die jünger als sechs Jahre sind, Hausverbot. Damit trifft die Betreiberin vor allem Mütter.

Shitstorm: Café schließt kleine Kinder aus

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Berlin. Vor ein paar Jahren habe ich eine Luft-Kur für meinen damals dreijährigen Sohn auf Borkum gemacht. Mein Sohn hatte eine Lungenentzündung hinter sich, die drei Wochen waren eine freundlich finanzierte Maßnahme meiner Krankenkasse.

Mit meinem Sohn, meiner Babytochter und rund 30 anderen Müttern (ach so, ein Vater war auch dabei) verbrachten wir also die Tage zwischen Frühstück, Strand, Mittagessen, Kindersport, Fahrradausflügen, Abendbrot und in aller Stille nachts im Zimmer das Licht löschen, wenn die Kinder schlafen.

Café erteilt Kindern Hausverbot: Das ist Diskriminierung

Nicht weiter erwähnt werden muss, dass solche Kliniken auf Nordseeinseln trotz der netten Ärzte etwas tief Deprimierendes haben. Die Kantinenkost (die braunen feuchten Brotscheiben), die nach Putzmittel riechenden Flure und die unzähligen verregneten Nachmittage mit kleinen Kindern auf dem Zimmer.

So kam es dazu, dass eine Mutter namens Nadine und ich eines Tages zu einem Ausflug ins nahe liegende Café aufbrachen. Es sollte der Höhepunkt unseres Tages werden.

Zwei Mütter und vier Kinder im Café – eine Unverschämtheit?

Endlich mal wieder einen schaumigen Milchkaffee trinken, vielleicht sogar ein Stück Kuchen, eine Stunde im Warmen sitzend auf das Meer blicken. Ich erinnere mich, wie Nadine und ich mit unseren damals dreijährigen Söhnen und unseren einjährigen Töchtern – insgesamt vier Kindern – in dem Café gleich an der Promenade aufschlugen, unsere Kinderwagen parkten wir draußen, die Kinder baten wir ganz leise zu sein.

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Wir setzten uns hin, Nadine und ich hatten unser kleineres Kind auf dem Schoß, unsere Söhne spielten friedlich das Kartenspiel Mau-Mau. Wir bestellten Kuchen, Schokolade mit Sahne, Nudeln für die Kinder. Es fühlte sich alles schon zu gut, zu normal an, um wahr zu sein – das Meer, die braven Kinder, die Kleinsten fast tiefenentspannt – als plötzlich ein älterer Herr zu uns an den Tisch trat.

„Die Kinder“, sagte er und deutete auf unsere Söhne, „sind zu laut“. Eine Unverschämtheit sei das, wie wir es wagen könnten mit so vielen Kindern ein Café zu betreten. Ich lächelte süffisant. „Die Kinder spielen Karten, sind leise und zahlende Kunden“, warf ich zurück.

Dann blickte ich allerdings zu Nadine, die zu meiner Überraschung von einer Sekunde auf die andere komplett in Tränen ausgebrochen war. „Komm, wir gehen sofort“, sagte sie, nahm den Jungs die Karten ab und packte das Spielzeug ihrer Tochter mit den Karten in ihre Wickeltasche. Ich war entsetzt, aber tat Nadine den Gefallen, nichts weiter zu sagen. Als hätten wir ein Verbrechen begangen, zahlten wir rund 30 Euro und verließen das Café.

Ausschluss von Kindern kommt Diskriminierung von Eltern gleich

In Hamburg, im kinderreichen Viertel Eppendorf, hat jetzt die Besitzerin des Cafés Moki’s Goodies entschieden, dass Kinder unter sechs Jahren Hausverbot haben. „Das Moki’s Goodies ist kein spendenfinanziertes demokratisches Mutter-Kind-Projekt, sondern ein Restaurant“, sagte die Betreiberin Monika Ertl auf Instagram.

Und ich bin gerne die „Supermutti“, von der Ertl zu Anfang in ihrem Posting spricht, und kann nur so viel sagen: Ich habe in meinen Zwanzigern selbst fünf Jahre in der Gas­tronomie gearbeitet, sogar eine Ausbildung abgeschlossen, und kann mit Sicherheit sagen, dass jede Maßnahme gegen Gastfreundschaft, gegen Offenheit und eine herzliche Großzügigkeit dem Wesen der Gastronomie komplett widerspricht. Der Ausschluss von Kindern kommt der Diskriminierung von Eltern gleich, vor allem aber von Müttern und Frauen, an die der Appell hier explizit gerichtet ist.

Kann ein Café auf solvente Eltern verzichten?

Und auf eine Art bin ich gespannt, wie ein Café-Konzept ohne die wochentäglichen Besuche der solventen Mütter und Väter (ja, die gibt es auch) – ausgerechnet in Hamburgs mit-kinderreichstem Bezirk – aufgehen kann, zumal die Dutzenden Cafés in der Nähe die Auswahl ohnehin unendlich machen.

Wie auch immer der couragierte Business-Case aussieht, in den Betreiberin Ertl, wie ich denke, nicht nur „privates Geld“ gesteckt hat, sondern mit dem sie auch „privat“ Geld verdienen will, werde ich jedenfalls nicht erfahren – meine Kinder sind heute fünf und sieben Jahre alt. Und ich – ach, ich ewige „Supermutti“ – lasse meine Tochter so ungern vor der Tür stehen.