Single Mom

Warum nerven andere Eltern beim Elternabend nur so?

Mit der Einschulung des ersten Kindes legen meine Mitstreiter einen Ernst an den Tag, den ich so noch nicht kannte.

Elternabende nerven Kolumnistin Caroline Rosales richtig (Archiv)

Elternabende nerven Kolumnistin Caroline Rosales richtig (Archiv)

Foto: buys/Reto Klar / Montage: picture alliance/PPE/BM

Mein sechsjähriger Sohn wird nach diesem Sommer eingeschult und ist damit ganz nüchtern betrachtet nur eines von schätzungsweise rund 700.000 Kindern in Deutschland, die Ende August selbiges Schicksal ereilt. Er ist nichts Besonderes, das findet er auch. Und nicht nur das, vielmehr hofft er noch, dass ich mir die Geschichte mit der Schule anders überlege oder besser noch vergesse. In der Woche schläft er gerne bis halb neun Uhr, das frühe Aufstehen widerstrebt seinem kindlichen Bio-Rhythmus, das erklärte er mir neulich ganz nüchtern. „Ich glaube, das mit der Schule ist nichts für mich, Mama“, sagte er. Und mir blieb natürlich nichts anderes, als ihm zu sagen, dass er eine Menge Spaß haben werde. Mit neuen Kumpels, den vielen AGs, mit dem Lernen und so.

Dabei steht auch mir die Angst ins Gesicht geschrieben. Schon der Elternabend an unserer Schule in Pankow vergangene Woche verriet mir: „Mist, hier kann jedes angehende Grundschulkind schon schreiben und lesen.“

„Wir brauchen die Druckschrifthefte nicht mehr, Emil weiß das alles schon. Müssen wir die dann trotzdem kaufen?“, fragte eine Mutter. Und viele der anderen 28 Eltern in dem Klassenzimmer nickten. Ich schaute entsetzt in Richtung der Mutter. „Ja, wollen wir nicht sofort mit Schreibschrift beginnen?“, fragte ein Vater. Wieder glotzte ich entgeistert in seine Richtung und dann erschrocken nach vorne.

Gott sei Dank mahnte die Grundschullehrerin gleich zur Mäßigung.

In den nächsten Stunden beobachtete ich den bunten Minutenzeiger an der Wand, wie er hoch und wieder runter wanderte. Nickte fleißig, machte mir Pseudo-Notizen, obwohl ich den Faden längst verloren hatte.

Elternabend, das bedeutet Erwachsene, die in Zeiten von Donald Trump, Terror, dem vergessenen Krieg im Jemen und Rechtsruck in Europa ihren eigenen Mikrokosmos nicht aus dem Blick verlieren und mit hoher Erregungsstufe über Rosinen im Müsli, die Farbe des Schuppens oder die Zuständigkeiten beim Sommerfest diskutieren können. Und wenn es sein muss, die halbe Nacht.

Und ein Blick auf den Plan an diesem Abend verriet mir, dass es zeitmäßig wohl genau so kommen würde.

Top 1: Die Klasse der „Waldpilze“ geht in der ersten Schulwoche ins Theater. Wir schauen „Pippi Langstrumpf geht an Bord“. Grundsätzliche Verhaltensregeln bei Ausflügen.

Top 2: Trinken in der Grundschule. Hinweis der Lehrerin: Kinder trinken oft zu wenig. Honig im Tee – ja oder nein. Entscheidung der anwesenden Eltern. Frage: Soll statt Wasser Apfelsaftschorle gegeben werden? Vorschlag: Trinken attraktiv machen durch Trinkspiele oder Edukatives.

Top 3: Wer hat Lust, im Anschluss noch eine Blumentasse zum Befüllen zu töpfern?

Himmel, das konnte noch heiter werden.

Zum Glück hatte ich eine Zeitung auf dem iPad dabei

Und so kam es dann auch. Wilde Diskussionen folgten, einmal schrappte eine Mutter sogar haarscharf an einer persönlichen Beleidigung gegenüber einem anwesenden Vater vorbei. Ich hatte mir glücklicherweise eine Zeitung vom nächsten Tag auf das iPad runtergeladen und war damit wieder einmal die absolute Loser-Mutter mit der schwachen Performance.

Aber jetzt mal im Ernst: Geht das nur mir so, weil ich als Alleinerziehende weniger Euphorie mit einem Partner im Alltag über die Schul- und Kinder-Themen teilen kann? Wäre nicht alles genauso gut, wenn es nicht im Würgegriff der präzisen Organisation stattfände? Wenn es erst mal egal wäre und die Lehrer machen würden ohne Absprache mit den Eltern? Wenn es keine Elternsprecher gäbe? Würde die Welt sich nicht weiterdrehen? Einfach so?

Fürs Erste ging ich an diesem Abend auf jeden Fall schlafen. Mein Sohn hatte an seinem Bett auf mich gewartet. „Ich hab’s mir angesehen. Wird richtig cool die Schule“, sagte ich zu ihm.

Und er nickte zufrieden.

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