Single Mom

Zum Geburtstag habe ich alles - vor allem Panik!

Selbst ohne Erwartungsdruck und Kinderwunsch ist der 36. Geburtstag kein Grund für Leichtigkeit, glaubt Caroline Rosales.

Friede, Freude, Geburtstagkuchen - zu ihrem Ehrentag
zieht Caroline Rosales als berufstätige Single Mom eine durchaus positive Bilanz

Friede, Freude, Geburtstagkuchen - zu ihrem Ehrentag zieht Caroline Rosales als berufstätige Single Mom eine durchaus positive Bilanz

Seht her, ich bin die Frau, die alles hat. Herzlichen Glückwunsch wünsche ich mir – und glücklicherweise ein paar andere auch – ich habe an diesem Wochenende meinen 36. Geburtstag gefeiert. Gewohnt neurotisch ziehe ich an meinem Ehrentag gerne Bilanz und lasse mein Leben wie Wolken vor meinen Augen vorbeiziehen.

Die schönen und die schwachen Momente, die Salate in der Mittagspause und die Schokoladeneisbecher nach 22 Uhr. Sieben Jahre ist es her, auf der Rushhour des Lebens, da war ich gerade mit dem Studium fertig, hatte meinen ersten Arbeitsvertrag unterschrieben. Fast zeitgleich wurde ich Mama eines Sohnes, zwei Jahre später einer kleinen Tochter.

Und natürlich bin ich die perfekte (berufstätige) Mutter. Ich habe den Status der Brötchenverdienerin und der Alleinerziehenden – ja, ich habe ziemlich viel Status. Den Begriff Work-Life-Balance habe ich übrigens miterfunden, von Homeoffice ganz zu schweigen. Ich schaffe es mittlerweile sogar, mit dem Laptop auf der Bank des Spielplatzes zu sitzen, ohne auszuflippen, wenn ein Kind mit Sand wirft.

Ich telefoniere am Handy immer ganz leise, wenn ich mich abends aus dem Klammergriff meiner schnarchenden Tochter in ihrem Bett nicht befreien kann. Meine Kinder schlafen mit vier und sechs Jahren sowieso sehr konsequent in ihren Betten und kommen nur noch sechs Nächte die Woche nach Mitternacht in meins gelaufen.

Dass ich mich beim Trickfilm langweile, tut den Kindern leid

Ich kann nach so vielen glücklichen Mutterjahren sogar mit absoluter Sicherheit kalkulieren, dass der Ausflugstag in der Kita immer DER ist, an dem der Kühlschrank bis auf Eier und Butter KOMPLETT leer ist. Selbst meine Babysitterin wartet gar nicht mehr erst, bis ich sie beim Losgehen auf Geld für ein Busticket anpumpe, sie gibt mir schon beim Reinkommen gleich einen Zehner aus ihrer Handtasche. Wenn die Kinder brav sind, gibt es Eis, wenn nicht – da bin ich ganz konsequent – auch. Ich könnte es auch gar nicht verhindern. Sie laufen nach dem Kindergarten einfach bis zum Eiswagen, bestellen und zeigen wegen des Bezahlens dann auf mich.

Meine Kinder wissen dafür aber auch, dass sie Luft sein müssen, wenn Mama vor ihrem Laptop in der Konferenz-Schaltung sitzt, und fliegen sollen, wenn es nach einem Nachmittag in der Matschstelle im Park den kurzen Abschnitt von der Haustür in die Badewanne zu überwinden gilt.

Dafür dürfen sie am Sonntag manchmal einen Trickfilm sehen und weil ich mich dabei so langweile (das tut ihnen dann auch leid), schlafe ich noch eine Runde neben ihnen auf dem Sofa. Wenn ich dann aufwache, haben sie mir eine Kette aus drei Gummibärchen gebastelt und den Rest der Tüte, die weit hinten im Küchenschrank versteckt war, aufgegessen.

Ich werde älter, das ist ein großer Grund zur Panik, aber wenigstens geben Sohn und Tochter mir die Gewissheit, dass jede Sorgenfalte die letzten drei Jahre als Single Mom wert war.

„Wenn du alt bist, dann kommst du in den Zoo“

Zum 36. Geburtstag habe ich mir von meinen Kindern nichts gewünscht, aber ich habe von meinem Sohn einen Handyhalter aus bunten Bügelperlen bekommen. Und von meiner Tochter eine liebevoll eingepackte, mit einem pinken Haargummi umwickelte Packung Kaugummis.

Sie hatte diese zuvor aus meiner Handtasche geklaut, das aber vehement abgestritten. Ich war natürlich begeistert und die Kuchenkrümel konnten durch die Küche fliegen.

Meine Tochter sagt übrigens relativ regelmäßig zu ihrem Einhorn-Plüschtier: „Wenn du alt bist, dann kommst du in den Zoo.“ Und ich frage meine Vierjährige dann, was mit Mama sei. Sie sagt dann: „Ja, du auch.“ Und ich sage nur „Ah“ und hoffe, dass sie ihre Meinung noch ändert.

Ob ich eine gute Mutter bin? Keine Ahnung. Ich werde es in frühestens 20 Jahren von meinen Kindern erfahren und dann wohl bestimmt wieder Bilanz ziehen.

Caroline Rosales (35) ist Redakteurin der Funke Mediengruppe. Am 24. Juli erscheint ihr Buch „Single Mom“ bei Rowohlt

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