Single Mom

Gegen meine Aupair ist Mary Poppins ein Witz

Das Aupair-Mädchen kocht und lacht, hütet die Kinder und besteht darauf, dass sie ausgeht. Caroline Rosales glaubt, es ist echte Liebe.

Foto: Caroline Rosales/Montage: BM

Berlin.  Nicht erst seit der Kolumne, sondern auch schon die (Single-)Mutter-Jahre zuvor, wurde ich von anderen Mamas gefragt, wie ich DAS mache. Das tue ich übrigens auch. Und sogar sehr viel. Ich frage andere berufstätige Mütter, wie sie DAS machen. Das große DAS ist übrigens die komplizierte Gemengelage aus Arbeitszeiten mit nie korrelierenden Kindergarten-Schließzeiten, mit dem schlechten Gewissen versus der beruflichen Selbstverwirklichung, mit der Effizienz-Steigerung im Home Office, wenn das Kind eine heiße Stirn hat.

Wenn nämlich – so denken wir Mütter uns das – tatsächlich EINE herausgefunden hätte, wie man das Bein, das der Staat Familien durch unzureichende Unterstützung stellt, umgehen kann, dann wäre das ja Herrschaftswissen. Und das würde allen gehören. Also, um es vorwegzunehmen (denn sonst wäre ich ja reich), ich habe in sechs Jahren Muttersein noch keinen Masterplan entwickelt, der mich von den täglichen Organisations-Rochaden befreit. Aber ich bin kurz davor.

Also hier meine Leidensgeschichte in puncto Kinderbetreuung – mit (vorläufigem) Happy End. Ich ging wieder in einer Redaktion arbeiten, vor drei Jahren, da war meine Tochter gerade anderthalb Jahre und ihr Bruder drei Jahre alt.

Meine Mutter half, mal eine Babysitterin, und wenn es gar nicht mehr ging, klingelte ich beim Vater der Kinder auf dem Handy Sturm, er müsse jetzt mal bitte die Kinder im Büro empfangen. Mehr schlecht als recht, quälte ich mich durch die ersten drei Jahre, bis eine Kollegin zu mir sagte: „Warum tust du dir das an? Du brauchst eine Aupair.“ Ich überlegte nur kurz, denn: Sie hatte recht. Im Netz fand ich eine Agentur, die von einer charmy Französin betrieben wird. Sie hatte sofort einen Vorschlag für mich: Nelli, eine Aupair aus Mexiko. Aber sie müsste schon drei Tage später, am kommenden Sonntag, anreisen.

Und wieder überlegte ich nur kurz. Fuhr zu Ikea, richtete ihr das Wäsche/Abstellzimmer mit großem Fenster her, kaufte ihr eine Garderobenstange. Der Sonntag war dann natürlich ein sehr aufregender Tag. Die Kinder verstanden nicht so ganz, aber das Zimmer wurde mit selbstgemachten Ketten und Bildern eifrig verschönert. Und dann kam Nelli. Gut gelaunt, immer lächelnd. Das Kennenlernen war mit der ersten Stunde gleich abgeschlossen. Wir diskutierten sofort über Politik, die Stadt Berlin und welche Art von Männern sie im Kontext Nachtleben hier am wahrscheinlichsten antreffen würde.

Nelli kocht viel und gerne. Sie sagt Sätze wie: „Hey Mama, ich arbeite diese Woche vier Stunden zu wenig. Soll ich etwas putzen, aufräumen oder vorbereiten. Wünsch' dir was!“ Sie schreibt mir SMS, dass die Kinder morgen einen Kita-Ausflug machen und die geschmierten Brote dafür im Kühlschrank liegen. Mit ihr fühle ich mich wie ein 50er-Jahre-Kerl, der abends nach Hause kommt und noch auf eine warme Mahlzeit vor dem Fernseher hoffen darf. Sie liebt mich, das glaube ich mittlerweile und deshalb darf sie bei mir auch ALLES. Die Wochenenden (meistens) freihaben, mein sprudeliges Ingwer-Duschgel benutzen, ihre Schwester bei mir einquartieren. Sie will hier studieren, ich tippe ihre Uni-Bewerbung.

Die gegenseitige Zuneigung von zwei pragmatischen, freiheitsliebenden Frauen führt schließlich zu kosmischen Gesprächen wie diesen. Nelli: „Also wenn du mich heute Abend brauchst, dann gehe ich nicht aus.“ Caroline: „Aber, aber, ich habe eh nichts vor.“ Nelli: „Aber du könntest weggehen. Ich glaube, du brauchst das.“ Caroline: „Du bist jünger ...“ Nelli: „Aber du siehst jünger aus ...“ Caroline: „Nelli, willst du für immer bei uns bleiben.“ Nelli: „Ich glaube schon. Und die Kinder ...?“ Caroline: „... brauchen kein eigenes Zimmer ...“ Nelli: „Nie.“ Caroline: „Niemals.“

Caroline Rosales (35) ist Redakteurin der Funke Mediengruppe. Am 24. Juli erscheint ihr Buch „Single Mom“ bei Rowohlt

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