Single Mom

Heidi Klum und Tom Kaulitz – die neue Lust auf die Vierziger

Bei „Topmodels“ produziert sie ein verheerendes Frauenbild. Privat kommt sie als Single Mom lässig rüber, meint Caroline Rosales.

Heidi Klum, berühmteste Single Mom der Republik. Die Kinder, der Job, die blonden Strähnen, der Toyboy – "das steht Ihnen alles ziemlich gut", findet Caroline Rosales. (Fotos: dpa/Reto Klar)

Heidi Klum, berühmteste Single Mom der Republik. Die Kinder, der Job, die blonden Strähnen, der Toyboy – "das steht Ihnen alles ziemlich gut", findet Caroline Rosales. (Fotos: dpa/Reto Klar)

Also, bis jetzt waren ja die Fronten in Sachen korrekter Feminismus ja völlig klar: Es gibt die Frauen, Marke Madonna, Amal Clooney bis Angela Merkel, mit denen man jeden Tag mehrfach abklatschen möchte – und dann noch solche wie Heidi Klum im Speziellen.

Einpeitscherin von teils minderjährigen Mädchen und mit ihren Motivationsansagen so drüber, dass man unseren Töchtern nach jeder Folge von „Germany’s Next Topmodel“ dringend eine Erklärung schuldet, warum die Frau im Fernseher so schreit. #NotHeidisGirl schimpfen völlig zurecht die Aktivisten.

Aber jetzt, Ladies und Gents, sind da plötzlich diese Fotos aufgetaucht, welche Klums Personalie in völlig neues weichzeichnendes Licht rücken. Da liegt nämlich Frau Heidi Klum (44), vierfache Mutter und berühmteste Single Mom der Republik – für jeden findigen Nutzer von Google sichtbar – oben ohne auf der Veranda einer Luxusvilla in Mexiko. Ein Kurztrip – nichts genaueres erfährt man. Neben ihr (ganz eng) und auf ihr, ihr jüngst Auserwählter Tom Kaulitz (28), Gitarrist der ehemaligen Teenieband „Tokio Hotel“ und heute so gut gebaut wie Brad Pitt in den Neunzigern. Auch ihr Bauch ist total flach und der Toyboy immer in Sichtweite. Ein bisschen trashig mit Champagnerglas und Smartphone, aber wer würde es ihr in SO einer Situation nicht völlig natürlich nachmachen.

Sie machen mir Lust auf meine Vierziger!

Heidi Klum, möchte ich ihr zurufen wie ein verrückter Fan. „SIE machen MIR (35 Jahre, Mutter von zwei Kindern) Lust auf meine Vierziger! Wenn DAS die mögliche Ausweitung der Kampfzone als alleinstehende Fortysomething ist, stehe ich AB JETZT neben Ihnen mit einem Notizblock und schreibe mit.

„Ja, ja“, höre ich da aber schon die Freundinnen sagen, mit Fame und Millionen lasse sich ja alles kaufen, das sei doch alles geschönt. Und das ist dann aber der Moment, in dem ich entschieden um Contenance und weniger Missgunst unter uns Frauen bitte.

Weil wir alle ganz genau wissen – ob Alleinerziehende oder nicht – dass der ganze Orga-Stress, die Diskussionen um das morgendliche Anziehen, die Absprachen mit dem Daddy, wer Milch mitbringt und wer wann wen abholt, oder am Wochenende nimmt, am Ende ja EH AN EINER PERSON hängen bleiben.

Da nützt auch kein Cash, keine Putzfrau, nicht mal eine Armee von Nannys, wenn sich zum Beispiel eine Vierjährige morgens in den Flur legt und Totalverweigerung betreibt. Oder schon mal versucht einem weinenden Sechsjährigen zu erklären, der den Mini-Lego-Helm von Darth Vader unter dem Sofa sucht, dass jetzt doch die Babysitterin da ist.

Mehr Selfmade als Maschmeyer in seinen kühnsten Träumen

„Maaama“ ist die Ultima Ratio (wahlweise auch der vorbildliche Papa, ja, ja) – unersetzlich, unerschütterlich und selbstverständlich unbezahlbar. All das wird The Klum bei vier Kindern ganz sicher auch erleben und dennoch ist das Mädchen aus Bergisch-Gladbach mehr Selfmade als Carsten Maschmeyer in seinen kühnsten Träumen.

Also Chapeau, liebe Heidi. Sie sind offenbar nicht nur Mutter von vier Kindern, Moderatorin von mehreren Shows in Deutschland und den USA, sondern machen trotz Familienalltag mit Elternabenden, Nachmittagshobbys und Kinderarzt offenbar jeden Tag ihre Sit-Ups, gönnen sich dennoch Ihre kleinen Fluchten und haben ganz mutmaßlich auch Sex. Guten Sex, keinen Instandhaltungsverkehr. Die Kinder, der Job, die blonden Strähnen, der Toyboy. Das steht Ihnen alles ziemlich gut. Und dass dieses bisschen Genuss, die paar Stunden mit Boyfriend am Pool hart erarbeitet und verdient sind, weiß ich. Um das zu verstehen brauche ich nur zwei Kinder und keine Millionen.

Caroline Rosales (35) ist Redakteurin der Funke Mediengruppe und lebt in Berlin.

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