Schumachers Woche

Deutschland braucht mehr Mut zur Führung

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Hajo Schumacher
Von Olaf Scholz wird Führungsstärke erwartet, schreibt Hajo Schumacher.

Von Olaf Scholz wird Führungsstärke erwartet, schreibt Hajo Schumacher.

Foto: dpa/BM Montage

Olaf Scholz wird mit Angela Merkel verglichen. In Sachen Gemütsruhe mag das stimmen. In Sachen Führungskraft nicht, meint unser Autor.

Zweimal hat Michael Rudolph den Ruhestand herausgezögert, obgleich die Politik ihn loswerden wollte. Jetzt geht er endgültig. Es gehört zu den Absurditäten unseres dauererregten Daseins, dass Rudolph, Direktor der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, den Titel „härtester Schulleiter Deutschlands“ trug. Dabei hat der Mann nur seinen Job erledigt. Mit Ruhe und Konsequenz, Mut und Klarheit, Autorität und Empathie, Ansagen und Delegieren hat er eine Berliner Brennpunktschule zur gefragten Lehranstalt gemacht. Seine Geheimnis: Mut zur Führung, ein Begriff, der hierzulande dummerweise historisch fehlgeladen ist.

Führung ist Kunst, also eine Mischung aus Gelerntem, Erfahrenem und Intuition. Führungskünstler zaubern virtuos die passenden Werkzeuge hervor, wenn scheinbar gordische Knoten zu entwirren sind. Hakt es beim Verteilen von Impfstoff, könnte man zum Beispiel einen Logistikexperten einsetzen, der sich nicht mit Verwaltung und Polit-Klein-Klein herumärgert, sondern zackig durchgreifen kann, weil Militär nun mal pandemiefreundlich organisiert ist. Genau, Generalmajor Carsten Breuer. Das mag zarte Seelen verletzen, was im Notfall aber von nachrangiger Priorität ist.

Ist es dagegen gute Führung, in einer Krise das Schicksal des Landes von sechzehn bisweilen egomanischen Herrschaften abhängig zu machen? Stärkt es Autorität, an Ostern zu Kreuze zu kriechen? Ermutigt falsches Führen womöglich erst den Widerstand von Hierarchieversessenen, die zu Brüllaffen mutieren, sobald sie Mangel an Autorität riechen?

Mutiges Führen wäre auch, Werkzeug zu nutzen, das allerlei Würdenträger seit eineinhalb Jahren für untauglich erklären. Diese Woche ist tatsächlich ein kleines Wunder geschehen. Nein, es regnete keine roten Rosen. Aber eine vermeintlich nicht durchsetzbare Impfpflicht war plötzlich da.

Olaf Scholz wird mit Angela Merkel verglichen. In Sachen Gemütsruhe mag der Vergleich stimmen. In Sachen Führungskraft dagegen nicht. Die eine ist verbraucht, die andere frisch.

Und Herr Rudolph? Der ist noch gut dabei. Sucht Berlin nicht einen Schulsenator?