Schumachers Woche

Heizpilze für den Regenwald – mit dem Huni-Kuin-Groschen

Unser Kolumnist Hajo Schumacher fordert eine Art Vergnügungssteuer für Umweltschäden.

Kolumnist Hajo Schumacher.

Kolumnist Hajo Schumacher.

Foto: Annette Hauschild/dpa

Berlin. Früher zahlte, wer ins Fußballstadion wollte, den Sportgroschen, eine Art Mikro-Vergnügungssteuer, der sozialen Projekten zugute kam. Das Prinzip ist brillant und sollte wiederbelebt werden, als Huni-Kuin-Groschen. Sie kennen die Huni Kuin natürlich. Wer nicht?

Dieses indigene Volk lebt an der Grenze zwischen Brasilien und Peru im Regenwald, der allerdings immer weiter schwindet. Die Initiative Living Gaia, angeführt von Alexandra Schwarz-Schilling, Tochter des ehemaligen Postministers, will den Huni Kuin nun ihr eigenes Land kaufen, bevor Feuer und Rodungswahn die biodiverse Lunge der Welt vollständig erledigen.

Hier kommt nun der deutsche Heizpilz ins Spiel. Wir dürfen davon ausgehen, dass sich der schwelende Konflikt um die an sich unsinnigen Draußenheizer die nächsten Wochen noch verschärft. Denn das Virus wird präsenter, bevorzugt in geschlossenen und mäßig gelüfteten Räumen. Zugleich sind Gastronomen von der Corona-Pandemie besonders hart betroffen und deutsche Gäste eher Frostbeulen, die draußen gewärmt werden wollen. Während norwegische Familien gern auf Rentierfellen im Tiefschnee picknicken, wünscht der Mitteleuropäer auch draußen seine Wohnzimmertemperatur. Der Heizpilz aber produziert stündlich klimaschädliche Gase, die 25 Kilometer Autofahrt entsprechen.

Eine Brauerei hatte einst die Idee, pro Verkauf von einem Kasten Bier einen Euro für den Regenwald zu spendieren. Viele haben gelacht, aber der Ansatz des Freikaufens ist tatsächlich überlegenswert.

Das Vorgehen mag zwar nicht edel sein, aber effektiv – erst recht, wenn großzügig überkompensiert wird. Eine Acht-Stunden-Heizschicht müsste mit etwa zwei Euro ausgeglichen werden, die wir einfach mal auf fünf Euro erhöhen, damit der Schaden sicher mehr als ausgeglichen wird. Finden in diesen acht Stunden 50 Menschen Wärme unterm Heizpilz, würde jeder Kunde mit etwa zehn Cent belastet – dem Huni-Kuin-Groschen.

So wäre allen geholfen: Gastronomen, Hungrigen, Durstigen, Wald, Welt und den Huni Kuin.