Schumachers Woche

Wie das Coronavirus über den neuen CDU-Chef mitentscheidet

Hajo Schumacher macht sich Gedanken, warum die Ausbreitung des Coronavirus über den neuen Mann im Kanzleramt entscheiden könnte.

Foto: NIAID-RML/dpa/BM Montage

Berlin. Jeder Kanzler hat seinen biblisch-ikonischen Moment. Willy Brandt fiel vor 50 Jahren in Warschau auf die Knie, eine bewegende Demutsgeste, die jene historische Entspannungspolitik illustrierte, die der CDU im Umgang mit der Linkspartei noch bevorsteht. Helmut Kohl wiederum stand auf einem Balkon, und die Mauer fiel um – so ähnlich war das doch mit der deutschen Einheit, oder?

Helmut Schmidt befahl nach bester Lotsenart von einem Elbdeich aus der Sturmflut einfach den Rückzug; eine Nummer kleiner, dafür in sehr gelben Gummistiefeln, verscheuchte Gerhard Schröder das Elbhochwasser. Und natürlich Merkel/Steinbrück, die unsere Sparbücher gegen Heuschrecken verteidigten.

Der Nachweis von Führungskraft braucht Krise, gerne große Krise. Nun ist es wieder soweit. Ausgerechnet Jens Spahn, der sich in aufreizender Bescheidenheit dem netten Herrn Laschet beiseite gestellt hat, bekommt diesen raren historischen Moment geschenkt, wenn das Land mal gebannt auf seinen Gesundheitsminister schaut. Denn in der Corona-Krise wollen die Bürger sich um einen starken politischen Anführer scharen.

Davon aber gibt es im Land der Ex-Chefs derzeit nicht sehr viele. Während Friedrich Merz empathiereduziert über ökonomische Folgen von Covid-19 referieren wird und Norbert Röttgen über die unbekannte Frau an seiner Seite, wird Gesundheitsminister Jens Spahn bis zum Parteitag Ende April tatsächlich handeln oder zumindest diesen Eindruck inszenieren: Spahn mit Mundschutz, Spahn im weißen Schutzanzug, Spahn beim Händewaschen – welches Motiv wird wohl zur Ikone dieser Krise?

Neben dem Vorweisen von Fachwissen gehört das Beruhigen mit Symbolen zu den zentralen deutschen Führungskompetenzen. Schade, AKK. Spahn kann nun zeigen, wie er das Volk als Steuermann durch biblische Plagen manövriert, dass er Panik vermeiden und im internationalen Miteinander agieren kann. Und Käpt’n Laschet verbreitet Ruhe auf der Brücke. Wer den CDU-Vorsitz und damit später das Kanzleramt übernimmt, entscheidet also womöglich der Zufall. Wie im richtigen Leben.