Schumachers Woche

Als Adenauer das beleuchtete Strumpfstopfei erfand

Deutschland war einmal Tüftlerland. Was ist davon heute geblieben, fragt sich unser Autor Hajo Schumacher.

Unser Autor Hajo Schumacher

Unser Autor Hajo Schumacher

Foto: pa/Sergej Glanze

Berlin. Ich verstehe nichts von Technik. Die komplexen Geräte bringt die Chefin zum Laufen, den Internet-Krempel machen die Kinder. Gleichwohl bin ich stolz auf unsere Techno-Nation. Man konnte ja früher auch stolz auf die Nationalelf sein, ohne kicken zu können.

Nehmen wir nur mal die Zeitung. Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck, Friedrich Gottlob Keller das passende Papier und Jakob Maria Mierscheid den extra breiten Briefkastenschlitz.

Oder Konrad Adenauer, der seinerzeit die CDU im Griff hatte wie heute nur Markus Söder. Der Altkanzler erfand ein Strumpfstopfei mit Innenbeleuchtung und einen Toaster mit Sichtscheibe. Adenauers Sojawurst läge heute ganz vorn an der Wurstersatztheke, neben seinem elektrischen Insektentöter dagegen nur der infolge Stromschlags verstorbene Benutzer.

Deutschland-Erfinderland war so erfolgreich, dass wir Faxgerät, MP3-Format und die ganze Solarindustrie weggegeben haben, meist an den Chinesen, wie wir der Einfachheit halber 1,4 Milliarden Menschen zusammenfassen. Dieser Chinese nun hat Bauteile im Angebot, die wir unbedingt brauchen, um das neue, schnelle Internet an die Milchkannen zu bekommen.

G5 heißt die Supertechnik, mit der wir uns noch schneller digital hassen können, während wir vergeblich auf das elektrobetriebene Flugtaxi warten.

Fachfrage: Warum kann nur der chinesische Hersteller Huawei diese G5-Sendedinger bauen, die mit einer Standleitung nach Peking ausgestattet sein sollen? Hallo Tüftelstandort Baden-Württemberg, könnt ihr so ein Huawei-Dings bei Bosch nicht mal auseinandernehmen und nachbauen? Wobei dies kein Aufruf zum Kopieren ist, so etwas tun wir nicht, aber eine kreative Anregung.

Wäre unsere geliebte Bundesregierung vor lauter Vorsitzsucherei mal wieder mit Entscheiden beschäftigt, könnte sich der glücklose Wirtschaftsminister Altmaier profilieren, indem er eine Million Euro auslobt für den Ingenieur, der möglichst schnell unsere eigene G5-Komponente baut. Wahrscheinlich meldet sich schon nach zwei Wochen einer: der Chinese.