Schumachers Woche

Wie sich die Organspende versöhnlich regeln ließe

Nur derjenige wird zum Organspender, der zu Lebzeiten zugestimmt hat. Kolumnist Hajo Schumacher hat einen anderen Vorschlag.

Kolumnist Hajo Schumacher schreibt in seiner Kolumne über die Organspende.

Kolumnist Hajo Schumacher schreibt in seiner Kolumne über die Organspende.

Foto: pa/Montage BM

Vielleicht bin ich ethisch unterbelichtet, aber ich verstehe den Streit um die Organspende nicht. Ich hätte da eine praktische Idee, aber dazu später.

Natürlich sind bei einem derart delikaten Thema alle Bedenken, Ängste und Einwände zu respektieren, religiös, ethisch oder einfach so. Ob der Körper ein Werkzeug ist, das am Ende des Lebens auf den Müll oder eben zum Recycling kann, das wissen wir nicht und werden es nie erfahren.

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Die Vorstellung, im Paradies ohne Herz oder Milz herumzuirren, ist nicht tröstlich. Andererseits kenne ich zwei Menschen, die dank Spenderorganen noch ein paar gute Jahre erleben durften. Es muss ein merkwürdiges Gefühl sein, zwischen tiefer Dankbarkeit und Beklommenheit, das Herz eines unbekannten Mitmenschen aufzutragen.

Bei der Organspende gibt es kein Falsch oder Richtig

Wie immer wir uns entscheiden, es gibt bei der Organspende kein Falsch oder Richtig. Es handelt sich um eine Frage von Gefühl und Gewissen, da ist jeder Mensch sein eigener Bestimmer. Gleichwohl ist es merkwürdig, dass in Spanien viermal mehr Organe gespendet werden als hierzulande. Nur im Iran liegt die Quote niedriger.

Verdacht: Ist Nehmen womöglich seliger als Geben? Als potenzieller Organspender würde ich es gleichwohl als ungerecht empfinden, wenn ein Teil von mir in einem Menschen weiterlebt, der sich seinerseits zum Spenden nicht durchringen mag.

Ein Vorschlag, wie sich die Organspende regeln lassen könnte

Ich hätte einen Vorschlag, wie sich das Thema versöhnlich regeln lässt. Was wäre, wenn nur Menschen auf die Empfängerliste für Austauschorgane kommen, die sich dazu verpflichtet haben, ihre eigenen im Ernstfall herzugeben? Nur wer spendet, dem wird gespendet. Wobei zu klären ist, wie mit Notfällen zu verfahren ist: Was tun, wenn sich jemand erst im Angesicht des Todes entscheidet, Spender zu werden, um so an eine lebenswichtige Transplantation zu kommen?

Für mich klingt diese Lösung prinzipiell fair, weil Geben und Nehmen ausgewogen sind. Niemand muss mitmachen, aber alle können. Habe ich einen Denkfehler gemacht? Dann schreiben Sie mir doch bitte.

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