Schumachers Woche

Was ich an Grußfußmatten und Tischmülleimern schätze

Manches ist praktisch, anderes anbetungswürdig: Kolumnist Hajo Schumacher über seine Liebe für spießige Gerätschaften.

Hajo Schumacher schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost - heute über spießige Gegenstände.

Hajo Schumacher schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost - heute über spießige Gegenstände.

Berlin. Ich besitze weder einen Dampfstrahlreiniger noch eine Multifernsteuerung, mit der ich alle Geräte im Haus bedienen kann. Ich finde solche Gerätschaften spießig. „Spießig“, liebe Kinder, ist ein altes Wort für etwas, das Eure Eltern für geschmacklos halten, aber in der Tiefe Ihres Herzens doch ganz gern besäßen, weil es so praktisch ist, wie Aufbackbrötchen oder Sitzrasenmäher.

Mit einem Dampfstrahlreiniger wiederum lässt sich das vom vielen Nichtgebrauch verstaubte Rennrad zum Blinken bringen, ein Tischmülleimer frisst die Fetzen, die wir kleinen Umweltferkel schon beim Frühstück produzieren.

Was ist noch spießig? Glasuntersetzer, die Rotweinflecken auf der Decke verhindern, die mit Spezialclips (superspießig) an den Tisch geflanscht ist. Oder Grußfußmatten und Antirutschklebeblumen in der Dusche, jedenfalls bis zum Oberschenkelhalsbruch.

Spießig ist alles von Alessi in der Küche, ein Partykeller mit Fässern als Hocker, der zum letzten Mal beim Weltmeisterschafts-Finale 2006 in Betrieb war und Rollrasen, weil er sich dem Wettbewerb von Pflügen, Säen, Festtreten, Wässern verweigert.

Als oberspießig betrachte ich Lufterfrischer, weil in einem ordentlichen Heim nichts zu erfrischen ist, sowie Multifunktionswerkzeuge. Warum? Weil keines der vielen Geräte so funktioniert wie es sollte. In die Liga der Endspießigkeit würde ich auch Fellbezüge auf Toilettendeckeln einordnen, darüber wellig-gilbe Hinsetzen-Cartoons, auf jeden Fall das Kopfschmerzgetränk Baileys und absolut unverkalkte Massageduschköpfe. Denn hier wird entweder nicht geduscht oder nach jedem Brausebad ein Liter Essig durchgejagt. Beides nicht so meins.

Neulich sah ich in einem Klub – so heißen in Berlin die Kneipen – einen Fliesentisch, den junge Menschen ehrfürchtig umkreisten, um ihr Bier dann vorsichtig auf Korkuntersetzern abzustellen. Ich schwöre: Ich fand Fliesentische nie spießig. Tennissocken auch nicht.

Und schon gar nicht diese wunderbaren Handstaubsauger, sehr praktisch, um rasch mal eben rings um den Tischmülleimer sauberzumachen.

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