Schumachers Woche

Zukunft ist auch ein Thema, vor allem für die Jungen

Das neue Jahr hat begonnen - doch viel geändert hat sich nicht. Unser Kolumnist Hajo Schumacher fordert neue Energie.

Foto: pa/Montage BM

Jeden Januar dieselbe Krankheit, wie Rheuma oder Angst vor allem wohl altersbedingt: Ich leide an Neujahrsfrust. Tapfer habe ich mit Schaumwein angestoßen, obgleich das Sodbrennen jedes Jahr ärger wird. Frohes Neues? Elende Lüge.

Nichts ist neu, schon gar nicht das Hüftgelenk, das lange mal dran wäre. Die elende To-Do-Liste ist immer noch da und nervt genauso wie manche Repräsentanten des politisch-gesellschaftlichen Komplexes, die vor allem jene mittelprächtigen Zustände verteidigen, die sie selbst verursacht haben. Sorry, Jogi Löw, sorry Angela Merkel, wir schätzen Ihre Verdienste wirklich. Aber Zukunft ist auch ein Thema, vor allem für die Jungen.

Wir brauchen neue Energie

Statt neuer Jahre brauchen wir neue Energie. Und davon gibt es genug. Der neue SAP–Chef Koch ist 39 Jahre alt, Österreichs Anführer Kurz mit 33 Jahren gerissener als die gesamte CDU, und Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann wird noch 32 Jahre alt sein, wenn er die Meisterschale in den Himmel reckt.

Wir sollten all die Freiwilligen feiern, die ihre Ritualmühlen in diesem Jahr einfach mal loslassen und nicht zu bitteren Nachtretern aus der Maaßen-, Merz- und Gabriel-Liga werden. Wie lange wollen wir Jens Spahn und Annalena Baerbock denn noch trainieren lassen?

Man kann viel Böses über Kevin Kühnert sagen, aber: Was die aktuelle Bildungsministerin so abliefert, bekäme der Juso-Chef womöglich auch hin.

Frechheit, wenn uns Junge als greise Umweltsäue beschimpfen

Natürlich ist es eine Frechheit, wenn uns diese jungen Menschen als greise Umweltsäue beschimpfen. Bei zu viel Essen, Alkohol und Intervallfasten dämmert uns allerdings auch, dass die Jugend selbst mit Stretchjeans und Glitzerturnschuhen nicht ewig zu verlängern ist. Wie viele Altersgenossen stöhnen schlechtlaunig, dass sie noch acht, zehn, zwölf Jahre bis zum Ruhestand durchzuhalten hätten. Ob da noch viel gestaltet wird außer Freizeit?

Nur mal so: Der Youtuber Ryan Kaji hat 2019 mit Spielzeugtests 26 Millionen Dollar verdient. Er ist acht Jahre alt. Ich denke über Altersteilzeit mit Kolumnen-Sharing nach. Ich will aufs Land, um endlich Tomaten zu züchten.