Schumachers Woche

Drei gute Vorsätze – und viele fantastische Erfahrungen

Unser Kolumnist Hajo Schumacher zieht Bilanz. Was er im Jahr 2019 erreicht hat - und was er sich für 2020 vornimmt.

Hajo Schumacher schreibt jede Woche in der Berliner Morgenpost.

Hajo Schumacher schreibt jede Woche in der Berliner Morgenpost.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

So, keine Ausreden mehr. Das Jahr ist fast rum, bitte die Jahresbilanz auf den Tisch.

Ich fange mal an. Was hatte ich mir für 2019 vorgenommen? Nur drei Sachen, denn mehr kann ich mir nicht merken.

Der erste gute Vorsatz lautete – jetzt nicht lachen: mehr tanzen. Also nicht „eleganter“, sondern einfach nur mehr. Hat geklappt. So viele Konzerte, Parties, Festivals – und nicht eine Minute, die ich bereue, nicht mal den Morgen, an dem ich das Joggen abgesagt habe wegen eines garstigen Tanzmuskelkaters. Hammerplan für 2020: weitertanzen.

Der zweite Vorsatz lautete: mehr Sinn. Schon tückischer. Denn: Was ist dieser Sinn? Hat Precht dazu was gesagt? Egal. Wir definieren Sinn ganz egomanisch als das, was wir dafür halten, ein Handeln, das nicht auf Umsatz oder Statusgewinn ausgerichtet ist, sondern einem höheren Ganzen dient, dem Erhalt unseres Gemeinwesens etwa.

Ein merkwürdiges warmes Gefühl namens Verfassungsliebe

Tja, mag mancher denken, was will ein Journalist da schon beitragen außer hirnlosen Hysterien? Generell mag das stimmen, aber 2019 war nicht generell. Mit der wunderbaren Kollegin Rabea Schloz aus Leipzig habe ich einen Podcast gemacht, 100 Folgen, ein Thema: das Grundgesetz. Ich habe nicht nur Wikipedia gründlich überflogen, sondern tatsächlich unsere gesamte Verfassung gelesen, jeden der 146 Artikel, und sie mir von Experten erklären lassen: Philipp Amthor war dabei, Brigitte Zypries, Alexander Thiele, Horst Dreier, Konstantin Kuhle und viele andere kluge Staatsrechtler. Aufwand: weit mehr als 100 Stunden, was einen knappen Arbeitsmonat im öffentlichen Dienst bedeutet, gänzlich unentgeltlich.

Dafür bekam ich das ungewohnte Gefühl, ein Thema halbwegs durchdrungen, anderen Menschen nahegebracht und ein merkwürdig warmes Gefühl erlebt zu haben, das man „Verfassungsliebe“ nennen kann. Fazit: Sinn gestiftet und trotzdem nicht verhungert. Fühlt sich gut an.

Dritter guter Vorsatz: mehr Zeit mit Freunden verbringen. Da war 2019 Luft nach oben. Den Vorsatz nehmen wir mit ins neue Jahr.