Schumachers Woche

Es wird Zeit, Weihnachten grundlegend zu reformieren

Hajo Schumacher hat da eine Idee: Nikolaus sollte der einzige Feiertag sein. Das würde doch so einige Probleme ersparen.

Autor und Kolumnist Hajo Schumacher.

Autor und Kolumnist Hajo Schumacher.

Foto: Annette Hauschild

Sockenkontrolle. Bald ist Nikolaus. Weil die Schuhe draußen stehen, werde ich auf Strümpfen herumlaufen. Als Gewohnheitsmensch habe ich zwei, drei Lieblingsmodelle, die aber leider nie lange paarweise auftauchen. Die heile Socke ist immer weg, die andere weist Stellen auf, die penible Menschen „Loch“ nennen, ich nenne sie dagegen „Klimazone“.

Hat jemals wer untersucht, wohin einzelne Socken verschwinden? Liegt die Scheidungsrate über der Strumpfvereinzelungsquote? Grünen-Chef Robert Habeck hat keine Probleme, seine löchrigen Socken unter den Speisewagentisch der Bahn zu strecken. Guter Mann. Der Mensch ist erst wirklich frei, wenn er die Fadenscheinigkeit eines Strumpfes als das betrachtet, was sie ist – eine Nebensache.

Womit wir bei Weihnachten wären, einem Fest, das ich gern nebensächlicher finden würde. Jedes Jahr dasselbe Drama: Über vier Wochen angeheizte Glückshoffnung und am Ende doch nur wieder Streit, Stress und Sodbrennen. Maria und Josef haben die ganze heilige Angelegenheit inklusive der Niederkunft Jesu Christi, Ochs, Esel, Engel, Hirten und Königen in einer Nacht klargemacht. Es war der Teufel, der Weihnachtsmarkt und betriebliche Weihnachtsfeier und Glühwein und Marzipan erfand.

Jetzt mal ehrlich: Die schönsten Tage liegen zwischen den Jahren, wenn die Verwandtschaft weitergezogen ist, all die irrationalen Träume von familiärer Harmonie begraben und wir fressträge der Lieblingsbeschäftigung unserer Kinder frönen: chillen. Daher plä­diere ich für eine radikale Weihnachtsreform. Die ganze Feierei muss künftig auf einen Bierdeckel passen.

Wenn wir Nikolaus zum einzigen Feiertag erklären, fiele die nervige Vorweihnachtszeit weg, in der sowieso nie wieder auch nur eine Flocke Schnee fällt. Die so gewonnenen achtzehn Tage packen wir dann in die Zeit zwischen den Jahren. Es läge viel weniger China-Trödel unterm Tannenbaum, mit dem gesparten Geld schicken wir die Kinder auf ein Mathe-Camp ins Sauerland und chillen dreieinhalb Wochen durch, in den neuen, noch ungelochten Socken, die wir am Nikolausmorgen im Schuh gefunden haben.