Schumachers Woche

Wie ganz einfach Millionen Glücksmomente entstehen

Statt sich immer nur aufzuregen, sollte man einfach handeln - dann minimieren sich auch die Sorgen.

Hajo Schumacher schreibt über Glücksmomente, die ganz einfach entstehen können.

Hajo Schumacher schreibt über Glücksmomente, die ganz einfach entstehen können.

Foto: pa, BM

Neulich schlenderte ich mit meinen Mehrwegeinkaufstaschen (aus der Region) zum Wochenmarkt. Ein Luxustag: keine Termine, dafür schon mittags im Café sitzen. Ein Marktbesuch hilft zudem meiner Laune auf. Denn ich kann Menschen missbilligend angucken, die etwa Avocados kaufen oder sich Plastiktüten geben lassen. Moral ist Koks fürs Gewissen. Hilft nichts, aber fühlt sich gut an.

Kurz vor dem Marktplatz blockiert jedoch eine Gruppe Menschen den Gehweg. Spontandemo? Ich bin dabei. Aber die Passanten maulen nur: Wie man die Stadt so vermüllen kann, warum überhaupt E-Roller, was ist mit Batterien, Kindern, Weltmeeren, Zukunft? Wie soll alles nur werden?

Ich merke düster an, dass Roller anderswo verboten sind. Alle nicken. „Anderswo“ ist wie „früher“ – geht immer. Ich fühle mich voll integriert.

Mit sorgenvollen Gedanken kann man den Tag gut herumkriegen, etwa mit dem Satzanfang „Wenn das jeder macht ...“ – und dann mutig eskalieren. Wenn also jeder seinen Roller auf den Gehsteig wirft, dann werden eines Tages Türme von E-Rollern die Bürgersteige blockieren, Rauchwolken aufsteigen, schreiende Mütter mit halb nackten Kindern aus Batteriefabriken fliehen. Übertrieben? Niemand hat gesagt, dass es leicht sein würde, sich gründlich zu sorgen.

Da kommt ein junges Pärchen des Weges, beide mit Haarknödel und Pluderhosen. Sie lacht uns an, er hebt den Roller auf, um ihn am Bordstein zu parken. Einfach so. Sie winken und gehen weiter. Frechheit. Diese jungen Menschen haben überhaupt keinen Respekt vor uns Sorgenmachern.

Wo führt es denn hin, wenn Menschen plötzlich Roller aufheben, ein Kaugummipapier in den Mülleimer werfen oder einfach mal lächeln anstatt ausgiebig abzumaulen? Nun gut, das ergäbe täglich 80 Millionen schneller guter Taten allein in Deutschland, was wiederum 2,5 Milliarden kleiner Glücksmomente im Monat bedeutet, schnell, kostenlos, ganz ohne Verein, Webseite oder Spendenkonto.

Okay, zugegeben, wirklich ein wenig zu sorglos gedacht. Kaum auszudenken, wenn das plötzlich jeder macht.