Schumachers Woche

Warum Fleischesser immer öfter ein Übelkeitsgefühl überkommt

Unser Kolumnist isst auch Fleisch, zweifelt aber immer öfter, ob unser Umgang mit Tieren moralisch noch zu verantworten ist.

Foto: Foto: Sergej Glanze

Berlin. Neulich verlangte die Familie nach Caesar Salad, ein schlaues Gericht, das durch den Salat gesund wirkt, mit Parmesan, Schweröldressing und Hühnerfleisch aber zugleich bei der Generation Meckes punktet. Ich kann wochenlang ohne Fleisch auskommen. Aber Caesar Salad ohne gebratenes Huhn ist wie Pommes ohne Currywurst – unvollständig.

Leider war kein Huhn im Haus. Also los und aus dem Kühlregal zwei Packungen geangelt, die auf der Tierwohl-Skala von 1 bis 4 eine 2 trugen. Ich habe früher immer gern eine 2 gehabt. Wird wohl okay sein. Dann begann allerdings die Ekelphase. Matschige Masse, die aus dem Plastik quoll. Geruchskontrolle. Keine Auffälligkeiten. Das scharfe Messer ratschte mühsam durch den Glibber. Ernsthaft darüber nachgedacht, dieses soeben frisch erworbene Produkt dem Müll zu übergeben, aber bestimmt nicht der Biotonne. Dummerweise kann ich Lebensmittel nicht einfach wegwerfen. Also ab in die Pfanne, wo die schrumpeligen Fetzen nach wenigen Minuten in einem See aus trübem Hühnerfleischwasser schwammen. Dieses Huhn hat nicht einen schlechten Tag gehabt, sondern viele.

War das früher auch schon so? Bin ich sensibler geworden? Oder läuft da was schief in vielen Ställen? Wenn jedes fünfte Schwein den Schlachthof nicht erreicht und jährlich 13,5 Millionen Tiere „notgetötet“ werden, wenn jedes zehnte bayerische Kalb noch vor der Verwurstung verendet, warum sollte es den Hühnern besser gehen. Nein, ich möchte mich nicht in den ritualisierten Kampf zwischen Fleischfreunden und -gegnern einmischen, weil es da selten um Meinungsaustausch geht, sondern viel zu oft um moralische Machtkämpfe. Aber ich sehe an mir und meinen Nächsten, dass uns immer häufiger ein Übelkeitsgefühl überkommt, zuletzt beim Huhn auf dem Salat.

Wer an unserem Umgang mit Tieren zweifelt, der ist kein Verbote-Guru oder grüner Spinner, sondern ein Mensch, der seinen natürlichen Regungen folgt. Die Konsequenz ist klar und gilt sofort: halbe Menge, doppelte Qualität. Und gern auch mal wieder Kürbissuppe.