Schumachers Woche

Im Supermarkt sieht man sich immer zweimal!

Hajo Schumacher überfallen im Supermarkt manchmal verbissene Konkurrenzgedanken. Es gibt Rache am Kühlregal.

Hajo Schumacher (Archivbild)

Hajo Schumacher (Archivbild)

Foto: Frank Johannes

Es geschah an den Pfandautomaten, die im Berliner Supermarkt meines Vertrauens in einer Ecke gelegen sind, weswegen sich stets mehrere Schlangen aus verschiedenen Richtungen bilden. Vielleicht bin ich pingelig, aber ich finde, dass sich die Reihenfolge der Einwurfberechtigten aus der Wartezeit ergibt. Wer am längsten steht, ist dran, und nicht, wer sich in die schlauste Schlange schlawinert hat.

Eine jüngere Frau sieht das anders. Ohne mich, den Längerwartenden, überhaupt per Blick zu kontaktieren, drängelt sie sich vor. Sie konsumiert sehr teures Mineralwasser. Snobistin. Ich versuche, mich nicht aufzuregen. Ich grolle trotzdem.

Ich beschließe, nachtragend zu sein. Im Supermarkt sieht man sich immer zweimal. Der Moment der Rache naht am Kühlregal. Die Besserwasserdame will meinen Weg kreuzen. Nichts da. Souverän fahre ich meinen Wagen in ihren Weg und fixiere dabei einen Punkt in der Ferne, Richtung Chips-Regal. Wer Blickkontakt aufnimmt, hat schon verloren, sagt der Psychologe. Sie bremst und flucht sicher innerlich. Ich fühle mich deutlich besser.

Feldsalat aus der Region gegen Avocado

Showdown an den Kassen: sie an der 4, ich an der 7. Ich will eher dran sein als sie, was ein sinnloser Wettkampf sein mag, den ich aber trotzdem gewinnen werde. Sie packt Avocado aufs Band, ich den Feldsalat aus der Region – moralischer K.o.-Sieg.

Leichter Vorsprung für sie, aber, ha, jetzt macht sie den tödlichen Fehler und fummelt in ihrem Portemonnaie nach der Karte. Ich zücke hingegen Bargeld, fast passend. Sie packt die letzten Beeren in die Tasche, ich die Eier. Fotofinish. Unentschieden. Beim Rausgehen treffen wir uns an der Tür. Ich lasse ihr den Vortritt. Sie lächelt. Ein gedeihliches Miteinander kann so einfach sein.