Schumachers Woche

Triathlon ist etwas für Männer in der Midlife-Crisis

Unser Autor Hajo Schumacher sorgt sich um seinen Start beim Triathlon. Aber den schafft er schon. Oder etwa nicht?

Hajo Schumacher (Archivbild)

Hajo Schumacher (Archivbild)

Foto: Frank Johannes

Neulich sprach meine Schwimmbrille zu mir, als ich ihr verkratztes Glas mit Spucke blank wischte. „Lass’ den Quatsch!“, sagte sie. Ich stand am Ufer eines milchigen Sees und hatte Angst. Meine Schwimmbrille spricht nicht oft mit mir, aber wenn, dann hat sie meistens recht.

Früher schwamm ich, heute kaulquappe ich eher, wenn das Verb erlaubt ist. Danach wuchte ich mich auf ein Rad, das deutlich zu teuer ist für mein Tempo, schließlich humple ich eine Weile, vor größeren Zuschauermengen beschleunigt, damit es wie Sport aussieht. Nennt sich „Triathlon“ und ist wie „Marathon“ oder „Kilimandscharo-Besteigung“ eine Chiffre für Männer in der Midlife-Crisis, die meinen, irgendetwas beweisen zu müssen.

„Das schaffst Du“, hatte mein Vereinspräsident gesagt. Wehmütig dachte ich an früher, als wir noch Hormone hatten. Mein Klub, die Weltraumjogger, organisiert an diesem Wochenende in Berlin die Deutschen Meisterschaften im Triathlon über die sehr kurzen Distanzen. Ich möge doch im Vorprogramm mitmachen, bat der Präsident, in der Kategorie „Totes Holz“. Ich hege große Sympathie für die Spitzen-Triathleten Laura Lindemann und Patrick Lange, habe aber den Ehrgeiz verloren, die beiden Favoriten überholen zu wollen.

Triathlonstart ist wie Wasserball, nur ohne Ball und Schiedsrichter.

Weil Januar war und ich im trügerischen Rausch der guten Vorsätze, habe ich dennoch Ja gesagt. Nun werden am Sonntagmorgen durchtrainierte Heißsporne über mich ins Wasser rennen und ihre Hacken in meine Eingeweide schlagen, bevor ich von muskulösen Armen unter Wasser gedrückt werde. Triathlonstart ist wie Wasserball, nur ohne Ball und Schiedsrichter. Schon auf den ersten 50 Metern werde ich mehrfach erstickt sein, auch weil mir der Einteiler von früher die Restluft nimmt. Der späte Elvis sieht würdevoll aus gegen mich.

Die Schwimmbrille schüttelt stumm den Kopf. Zu spät. Kneifen darf nur der Rennanzug. Vielleicht schenkt mir mein Rad einen Defekt. Oder der Rennarzt hat Mitleid und nimmt mich vorsorglich aus dem Wettbewerb.

Falls wir uns nicht wiedersehen: Es war schön mit Ihnen.