Schumachers Woche

Mach doch ruhig mal Ferien in Montenegro

Wo wir am besten über das Projekt Europa lernen können, hat Hajo Schumacher in Montenegro erfahren.

Hajo Schumacher findet, dass es eine gute Idee war, die Ferien in Montenegro zu verbringen.

Hajo Schumacher findet, dass es eine gute Idee war, die Ferien in Montenegro zu verbringen.

Foto: pa/Klar

Als uns Radomir auf knapp 2000 Höhenmetern nahe der albanischen Grenze an seiner selbstgezimmerten Blockhütte aussetzte; als wir umrechneten, was das Auto, unsere drei deutschen Reisepässe, die Smartphones und etwas Plastikgeld in diesem Land wohl wert sein würden; als uns das freche Fohlen entgegenkam; als wir erfuhren, dass sämtliches Gemüse aus dem eigenen Garten stammte; als wir mit dem Kajak durch die Stromschnellen der Tara hüpften; als das Kind nach drei Tagen Handy-Detox plötzlich lachte und gesprächig wurde;

als wir „Stadt Land Fluss“ neu entdeckten; als wir am schwarzgebrannten Pflaumenschnaps zunächst nur nippten; als wir kreischend im Gebirgsbach badeten; als Radomir den Henkelmann mit Omas Hühnereintopf brachte; als wir mit einem Lada Niva und keinem albernen Geländewagen-Imitat über die Bergrücken des Bejalica-Massivs holperten; als wir durch die Wolken stießen und die Sonne strahlte; als wir zurück in den Nebel tauchten und ahnten, welche fantastische Panoramen sich gleich hinter dem undurchdringlichen Vorhang verbargen; als wir unsere pitschnassen Klamotten am selbstgeschweißten Bollerofen trockneten;

als Radomir erzählte, wie er drei Monate im Jahr schwarz in der EU arbeitet, um seine Familie durchzubringen; als wir frühmorgens mit dem schmalen Boot die Reusen einsammelten; als wir beim Wandern über Bergblumenwiesen stundenlang keinem Menschen begegneten; als wir erfuhren, dass unter demokratischem Zuckerguss eine kleine Gruppe von Profiteuren regiert; als wir hörten, dass kritische Journalistinnen um ihr Leben fürchten müssen; als Radomir erklärte, warum er in Europa eine großartige Chance für gesellschaftliches und ökonomisches Wachstum sieht; als wir, zurück im Wlan, erfuhren, über welchen Mist sich Menschen in der satten Heimat empören

– da wussten wir, dass es eine gute Idee gewesen war, die Ferien in Montenegro zu verbringen und wieder einmal hautnah zu kapieren, warum das Projekt Europa so einzigartig ist.

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