Schumachers Woche

Seit ich spendete, werde ich mit Bettelbriefen bombardiert

Hajo Schumacher spendete für die DLRG. Deren Eintreiber lassen seitdem nicht mehr locker.

 Hajo Schumacher.

Hajo Schumacher.

Foto: Frank Johannes

Seen und Flüsse sind mir unheimlich. Welse können ziemlich groß werden, sind immer hungrig und schnappen nach allem Wurmartigen. Schlingpflanzen tragen die Gefahr schon im Namen. Der Infarkt lauert auch, dazu Konditionsschwäche, Blaualgen und tückische Unterströmungen in jedem Priel. Ob in Kanu oder Kajak, mit oder ohne Badehose – immer ist das offene Wasser so verlockend wie gefährlich.

Umso dankbarer bin ich für die Einsatzkräfte der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), die Landratten mit Selbstüberschätzungstendenz seit mehr als hundert Jahren aus dem Wasser fischen. Schnieke Boote, Funkgeräte und Sauerstoffflaschen – das ist Baywatch am Baggersee, mit mehr Textil, dafür kompetent. Diese Menschen opfern Freizeit und Urlaub für Aquatrottel, die Darwin hätte absaufen lassen. Vielen Dank dafür.

Die Spende an die DLRG war ein Fehler

Vor einer Weile habe ich der DLRG einen überschaubaren Betrag gespendet. Das war ein Fehler. Denn seither überziehen mich Spendenjäger mit Bettelbriefen, deren Hinterlist nervt. Diese Woche kam ein Plastikbeutel mit Muscheldruck, dazu ein Jammerschrieb, dass den Rettern Ferngläser und Funkgeräte fehlten. Zuvor bekam ich ein Täschchen zugesandt, wahrscheinlich Kinderarbeit, davor einen Block, Aufkleber und allerlei weiteren Kram, immer im Großumschlag, so dass meine Spende von damals sich ins Mikroplastik von morgen verwandelt hat, ohne dass ein Cent für die DLRG übrig bleibt.

Eintreiber mit emotionalem Killauftrag

Offenbar vertraut eine ehrwürdige Organisation auf professionelle Eintreiber mit emotionalem Killauftrag. Die Kombination aus kleinem Geschenk und großem Klagen soll mich beschämen, löst aber vielmehr das Phänomen der „paradoxen Intervention“ aus – das Gegenteil passiert.

Denn statt Mitleid wächst die Wut über hunderttausendfaches Müllversenden. Warum lässt die DLRG sowas zu? Weil die Masche trotz der Kollateralkosten offenbar funktioniert?

Bei mir nicht. Ich schicke das Gerümpel zurück und spende direkt meinem örtlichen DLRG-Verband. Da arbeiten die Profis.