Aus dem Roten Rathaus

Franziska Giffey: Mit Flecki und Brauni in den Wahlkampf

Familienministerin Franziska Giffey will den Abgeordnetenhaus-Wahlkreis in Rudow gewinnen. Was sie dafür tut, weiß Gilbert Schomaker.

Über Rudow ins Rote Rathaus: Das ist der Plan von Franziska Giffey, beobachtet Gilbert Schomaker.

Über Rudow ins Rote Rathaus: Das ist der Plan von Franziska Giffey, beobachtet Gilbert Schomaker.

Foto: Pool/Getty Images/BM

Berlin. Das muss eine tierisch gute Kolumne werden: mit Zwergkaninchen, Alphatierchen und Hähne-Wettkrähen. Und einer Leitwölfin für die Berliner SPD.

Das ist Franziska Giffey. Sie ist gleich alles in einem: Sie soll die Berliner SPD als Co-Landesvorsitzende neben Fraktionschef Raed Saleh anführen. Sie soll als Spitzenkandidatin die Partei auf Platz 1 der nächsten Abgeordnetenhauswahl bringen. Und seit dieser Woche wissen wir auch, wo ihr Heimat-Revier sein soll: Rudow hat sich die ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Neukölln als Wahlkreis ausgesucht. Über Rudow ins Rote Rathaus. Das ist der Plan. Und dafür mobilisiert sie alles. Selbst Flecki und Brauni – dazu gleich mehr.

Denn Giffey ist ein Vollprofi in Sachen Politik-PR. Sie weiß, wie sie Dinge einfach herüberbringt – und sich dabei stets gut darstellt. Dabei nutzt sie auch privates. Für ihre Kandidatur in Rudow hat sie einen öffentlichen Brief geschrieben – an die „lieben Rudower Genossinnen und Genossen“. Darin gibt sie ihre Ziele für den Wahlkreis an, wie den Weiterbau der U7 zum Flughafen BER und eine Lösung der Grundwasserprobleme im Brunnenviertel. Sie will den Wohnungsbau und die Wirtschaft ankurbeln, für bessere Schulen und Kitas sorgen, die Verwaltung auf Vordermann bringen sowie die Sicherheit und Ordnung stärken. Das passt natürlich alles auch gut ins bürgerliche Rudow, wo übrigens zuletzt die CDU gewann.

Giffey wäre aber nicht Giffey, wenn sie die Politik nicht mit einer Prise Privatem mischen würde. Und so schreibt sie, dass zu Rudow auch immer das Engagement der Kleintierzüchter gehöre. Eben diesen Rudower Tierliebhabern habe sie ihre Zwergkaninchen Flecki und Brauni zu verdanken. Und noch mehr Lob: Die Kleintierzüchter seien mit ihrer Schau und dem Hähne-Wettkrähen eine echte Attraktion in der Großstadt, schreibt Giffey in ihrem Brief. Dazu auch noch der Bauernhof der Familie Mendler, der jedes Jahr Tausende Besucher anziehe. Landleben mitten in der Großstadt – herrlich möchte man meinen. Wäre da nicht die eigene Partei.

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Franziska Giffey soll Sawsan Chebli einen Ersatzwahlkreis angeboten haben

Giffey beschäftigt auch eine heftige Auseinandersetzung. Sie versuchte hinter den Kulissen, einen Streit zweier politischer Alphatierchen zu schlichten. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller will in Charlottenburg-Wilmersdorf für den Bundestag kandidieren. Das will aber auch seine Staatssekretärin Sawsan Chebli. Sowohl Saleh als auch Giffey sind „not amused“, dass diese Personalquerelen nun ihre eigenen Auftritte überlagern. Denn eigentlich hatte das Duo Saleh/Giffey sich mit dem amtierenden Senatschef darauf geeinigt, dass Müller das Feld in der Berliner Landespolitik räumt und dafür in den Bundestag einziehen darf. Giffey selbst soll zum Telefon gegriffen und Chebli einen Ersatzwahlkreis in Treptow-Köpenick angeboten haben. Doch Chebli lehnte ab. Sie erreichte es, dass es nun in ihrem Heimatwahlkreis in der City West einen Mitgliederentscheid über die Kandidatur geben wird. Die Steuerung der Berliner SPD ist eben keine leichte Aufgabe. Das muss die Landesvorsitzende in spe jetzt schon erfahren. Gewählt werden soll Giffey Ende Oktober.

Aber kommen wir noch einmal auf den Brief der Kandidatin an die „lieben Rudower Genossinnen und Genossen“ zurück. Darin gibt es nämlich ein Foto. Es zeigt Giffey neben einem älteren Herrn, der ein Fahrrad schiebt. Das ist Hannes Kujawa. Er führte lange Zeit ein Sportgeschäft in Rudow. Also Anruf bei Herrn Kujawa. Frage: „Wissen Sie, dass Sie in einem SPD-Werbebrief von Frau Giffey abgebildet sind?“ Antwort: „Nein.“ Frage: „Unterstützen Sie denn die SPD?“ Antwort: „Ich bin religiös erzogen worden. Die SPD wähle ich nicht. Aber Adenauer und von Weizsäcker – die kannte ich persönlich.“ Frage: „Und Frau Giffey?“ Antwort: „Die kenne ich auch. Die ist auch nett. Nur in der falschen Partei.“