Rotes Rathaus

Der unsichere Job von Finanzsenator Matthias Kollatz

Der Wahlkampf für das nächste Abgeordnetenhaus rückt näher. Da macht sich so manch einer Gedanken um seinen Job.

Matthias Kollatz (l.) im Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller

Matthias Kollatz (l.) im Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Es ist noch gar nicht so lange her, da stand Matthias Kollatz im Innenhof eines Steglitzer Altbaus – und begrüßte einen prominenten Gast, den Zoo-Chef Andreas Knieriem.

Kollatz ist im Hauptjob Finanzsenator von Berlin und im Zweitjob auch noch Abgeordneter für den Wahlkreis 2 in Steglitz-Zehlendorf. In seinem Hauptberuf hat er auch mit Zoo und Tierpark zu tun. Denn als Finanzsenator ist er auch Zuschussgeber bei großen Umbauten. In seinem Zweitjob kümmert er sich um den Wahlkreis und lädt regelmäßig zu Diskussionen und Vorträgen in sein Bürgerbüro oder conrona- und hitzebedingt in den Innenhof hinter seinem Büro.

Und dann gibt es noch einen Drittjob: Offiziell bekleidet Kollatz auch noch das Amt des Staatskommissars im Zoo (ja, so heißt es wirklich), der an den Aufsichtsratssitzungen teilnehmen kann, den Kulturzustand der Grundstücke beaufsichtigt – aber keine Weisungsrechte besitzt. Diese Aufgabe bekommt er quasi als Finanzsenator qua Amt mit dazu.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Kollatz eine enge Beziehung zum Direktor von Zoo und Tierpark führt. Und Knieriem wieder weiß genau, wie er beim Finanzsenator punkten kann. In der Runde mit den Bürgern erzählte er, dass die Stars des Zoos, die von China ausgeliehenen Pandas, zwar eine Million Euro im Jahr kosten. Aber durch ihre Popularität konnte der Zoo höhere Einnahmen generieren. Bereits sechs Wochen nach Eintreffen in Berlin hatten sich die Pandas refinanziert, berichtete Knieriem – zum Wohlgefallen des Finanzsenators.

Ob Kollatz allerdings noch lange den Erst- und Drittjob innehaben wird ist fraglich. Denn in Berlin laufen die Vorbereitungen für die nächste Abgeordnetenhauswahl. Sollte die SPD erneut an die Macht kommen, droht dem Finanzsenator der Jobverlust. Denn Kollatz, vom Naturell her eher ein Realist, registrierte in den vergangenen Wochen genau, dass die wahrscheinliche Spitzenkandidatin der SPD und damit mögliche Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, sich mit dem amtierenden Innensenator Andreas Geisel (SPD) traf. Dabei betonte sie, dass sie viel Wert auf die innere Sicherheit legt. Giffey will in der Mitte punkten, um die Wahl zu gewinnen. Öffentliche Termine mit dem Finanzsenator nahm sie bisher nicht wahr.

Zudem gilt grundsätzlich: Ein Finanzsenator ist in seiner Stärke und Machtfülle immer abhängig vom Regierungschef. Der amtierende Regierende Michael Müller wiederum räumt ja gerade das Feld für Giffey. Er will in Charlottenburg-Wilmersdorf für den Bundestag kandidieren. Mit anderen Worten: Sein Mentor ist weg. Und: Noch ist völlig unklar, ob die SPD überhaupt so stark wird und willens ist, wieder das Finanzressort zu beanspruchen. In der SPD-Fraktion hat er zudem etliche Gegner. Offenbar wurde das vor allem bei der Auseinandersetzung um den Corona-Nachtragshaushalt, bei dem Kollatz eigentlich auch sparen wollte. Aber die SPD-Fraktion setzte sich mit höheren Ausgaben durch. Die SPD-Fraktion wird von Raed Saleh geführt, der zusammen mit Giffey in einer gemeinsamen Spitze den Landesvorsitz übernehmen wird. Da schließt sich der Kreis – gegen Kollatz.

Für den amtierenden Finanzsenator sind das unterm Strich viele politische Unwägbarkeiten. Ein Ausweg könnte eine Kandidatur für den Bundestag sein. Doch trotz einiger Spekulationen, Kollatz will diesen Weg wohl nicht einschlagen. Eher sieht es so aus, als wenn er noch einmal für das Abgeordnetenhaus kandidiert. Der Zweitjob könnte also zum Hauptberuf werden.

Im Wahlkreis 2 in Steglitz-Zehlendorf ist er jedenfalls weiterhin vollbeschäftigt. An diesem Wochenende hat er für Interessierte einen Besuch im Zoo arrangiert. Die Führung übernimmt Zoo-Chef Andreas Knieriem – höchstpersönlich.