Woche im Roten Rathaus

Gegenseitige Hilfe in der Corona-Krise

Die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner haben in der Corona-Krise neue Aufgaben bekommen – und sind nun systemrelevant.

Foto: dpa/Montage BM

Christian Amsinck fand diese Woche warnende Worte. Die Corona-Krise sei die härteste Belastungsprobe für den Arbeitsmarkt in der Region seit Jahrzehnten. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg mahnte einen „Fahrplan für die Wirtschaft“ an.

Anlass für den Appell waren die neuen Zahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Danach waren im April 182.618 Menschen arbeitslos, 22,7 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Kurzarbeit, in der sich viele Beschäftigte in Berlin und Brandenburg zurzeit befinden, fängt zwar einiges auf. Aber die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer, Beatrice Kramm, ist besorgt und erklärte, dass Berlin aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur besonders von der Pandemie betroffen sei.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen.

In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen.

Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Michael Müller: Hotels und Restaurants brauchen eine Perspektive

Das weiß auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er machte diese Woche in der Runde der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin darauf aufmerksam, dass die Restaurants und Hotels in Deutschland – und besonders eben auch in Berlin – eine Perspektive brauchen, wie es weitergehen soll. Er erwarte beim nächsten Gespräch am nächsten Mittwoch einen „Phasenplan“, wie es Müller nannte, damit sich der für Berlin so wichtige Wirtschaftssektor entsprechend vorbereiten könne.

Seit Wochen läuft das Notprogramm des Senats. Innerhalb kürzester Zeit konnte die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB) Hilfen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro auszahlen. Das ist enorm – und war wohl nur zu schaffen, weil in der Krise alle schnell zusammengearbeitet haben. Da waren zum einen die Bankexperten der IBB, die mit der Wirtschafts- und Finanzverwaltung des Senats die Förderprogramme formuliert hatten.

Corona-Hilfen: Callcenter wurde aufgebaut

Aber weil die IBB gar nicht genug Personal hatte, gab es eine Arbeitsteilung: Die IBB übernahm die Bearbeitung der Anträge. Aber wer sollte Tausende von Anrufern an der telefonischen Hotline betreuen? Hilfe war schnell gefunden: Die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner und die Tourismuswerber von „Visit Berlin“ stellten ein Team von insgesamt 90 Mitarbeitern zusammen, das die Beratung übernehmen sollte.

Unbürokratisch, schnell und effizient wurde so ein Callcenter aufgebaut, bei dem bis heute täglich zwischen 500 und 3500 Anrufe eingehen. Die Mitarbeiter von „Visit Berlin“ und Berlin Partner wurden kurzfristig abgestellt, geschult und ein internes Fragen- und Antworten-Dossier innerhalb eines Tages eingerichtet. In Berlin konnten so die finanziellen Hilfen schnell ausgezahlt werden. Zum Vergleich: In Niedersachsen warten noch viele Selbstständige.

Bei der Wirtschafts-Hotline in Berlin rufen Gastronomen an, denen Müller eine Perspektive bieten will, aber auch die selbstständige Flötenlehrerin, die ihre Miete nicht mehr bezahlen kann, oder die Friseurin, die nicht weiß, wie sie ihren Laden weiterfinanzieren soll. Auf der anderen Seite der Leitung beraten die Mitarbeiter des Callcenters – wegen der Pandemie aus dem Homeoffice heraus. Die zentrale Hotline wird nämlich auf ihre Handys umgeschaltet.

Mitarbeiter von Berlin Partner können Kinder in Notbetreuung bringen

Doch es ist nicht so leicht, auf die komplizierten, individuellen Fragen einzugehen, wenn im Hintergrund ein Kind weint. Wie viele andere Beschäftigte im Homeoffice traf in den vergangenen Wochen dieses Problem auch die Mitarbeiter von Berlin Partner. Deren Chef Stefan Franzke konnte da jedoch diese Woche Abhilfe schaffen. Nach Gesprächen mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) kamen die Mitarbeiter des Callcenters auf eine Liste von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Sie gelten nun, wie auch Krankenschwestern und -pfleger, als systemrelevant – und können ihre Kinder in die Notbetreuung der Kitas bringen.

Fazit: In der Krise hilft man sich gegenseitig. Und das schnell und effizient im sonst so überbürokratischen Berlin. Das ist doch mal etwas Gutes.