Aus dem Roten Rathaus

Müller und seine Wahrheit über Freunde in der Politik

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat kaum Freunde in der Politik, schon gar nicht in der SPD – sagt er selbst.

Gilbert Schomaker

Gilbert Schomaker

Foto: pa/Montage BM

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat nicht so viele Freunde. Zumindest im Arbeitsalltag. Das offenbarte er diese Woche. „Ich mache jetzt seit fast 25 Jahren in der ersten Reihe Politik und würde sagen, ich habe zwei bis drei private Freunde unter Politikern. Es ist sehr selten“, sagte Müller.

Im politischen Betrieb überrascht dieses Eingeständnis kaum. Zu groß ist der Wettbewerb – vor allem in der eigenen Partei. Es ist gar nicht so lange her, da konnte Müller sich auf seine Parteifreunde einmal mehr nicht verlassen. Eigentlich gab es nämlich Absprachen, dass er als Partei-Vizevorsitzender in den Bundesvorstand der SPD einziehen sollte.

Aber Müller scheiterte bei der Wahl auf dem Bundesparteitag im Dezember. Wenn es nämlich um die Macht geht, ist das mit den Parteifreunden und Freundschaften so eine Sache. Da denkt jeder erst einmal an sich selbst und seine Karriere. Im Zweifel schließt man Zweckbündnisse, eher keine Freundschaften.

Freundschaften: Parteizugehörigkeit spielt keine Rolle

Und so ist es auch nur konsequent, was Müller über Freundschaft noch sagte: Bei der Auswahl der Freunde spiele die Parteizugehörigkeit keine Rolle. „Das ist völlig egal. Die politische Arbeit entscheidet darüber, wie und wem man vertrauen kann und wer ein Freund wird. Das Parteipolitische spielt dann keine Rolle mehr“, so Müller. Unter seinen wenigen politischen Freunden komme einer nicht aus der SPD.

Dass es so wenig Freunde in der eigenen Partei gibt, ist auch eine Folge des politischen Lebens als Alphatierchen. Denn zur Macht gehört eben auch, dass man seine Macht durchsetzen und verteidigen muss. Da gibt es schnell Enttäuschte und viele Feinde, die ein Anzeichen von Schwäche gleich ausnutzen.

Franziska Giffey erlitt Art Schwächeanfall um die politische Macht

Mit einer gewissen Schadenfreude wird man im Müller-Lager diese Woche zur Kenntnis genommen haben, dass Müllers ärgste Konkurrentin in der Berliner SPD, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, eine Art Schwächeanfall um die politische Macht erlitt. Am Donnerstag wurde nämlich bekannt, dass ihr Ehemann wegen Schummeleien bei den Arbeitszeiten aus dem öffentlichen Dienst in Berlin entlassen wurde. Im Giffey-Lager hieß es dazu diese Woche nur, das sei Familiensache und es gelte keine Sippenhaft. Man hat den Eindruck, dass die Devise ausgegeben wurde: Kopf einziehen und warten, dass der Sturm vorbei geht. Nach der Diskussion um ihre Doktorarbeit kam diese Nachricht für Giffey jedenfalls zur Unzeit. Denn im Mai steht die Wahl zum SPD-Landesvorsitzenden an.

Michael Müller konnte diese Woche eine positive Meldung verkünden

Insofern konnte Berlins amtierender Regierender Bürgermeister eher gelassen ins neue Jahr gehen. Zumal es diese Woche auch positive Meldungen gab. Nicht zuletzt dank Müllers Einsatz beim Großvorhaben Siemensstadt 2.0 nimmt die Idee einer neuen Stadt in der Stadt Gestalt an. Unter Müllers Führung hat es der Senat geschafft, im Eiltempo die erforderlichen Vorbereitungen abzuarbeiten, sodass am Mittwoch der Simens-Campus mit 2700 neuen Wohnungen, Büros und Schulen präsentiert werden konnte.

Auch in diesem Fall von einer neuen Freundschaft zu reden, geht sicherlich zu weit. Denn wenn es mal ernst wird, gibt es auch schnell mal einen Seitenwechsel. Beim Kampf gegen den Stellenabbau bei Siemens demonstrierte Müller aufseiten der Arbeitnehmer gegen die Siemens-Bosse und reihte sich in eine Menschenkette um das Siemenswerk ein. Auch als Siemens eine Hauptstadtrepräsentanz an der Museumsinsel bauen wollte, stellte sich der Berliner Senat quer.

Der Aufbau einer neuen Siemensstadt ist aber eine Win-win-Situation. Berlin bekommt ein neues, zukunftsweisendes Wohn- und Büroquartier. Und Siemens kann seinen alten Industriestandort in Spandau aufwerten – und versilbern. Vieles in Politik und Wirtschaft ist halt ein Zweckbündnis.