Aus dem Roten Rathaus

Die Wissenschaft ist für Müller eine Wohlfühloase

Die Einstein Stiftung feiert ihre zehnjährige Erfolgsgeschichte in der Staatsoper. Berlins Regierender Bürgermeister ist mittendrin.

Gilbert Schomaker über Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Gilbert Schomaker über Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Foto: pa/Montage BM

Berlin. Viel mehr Pracht geht kaum. Blattgold, Mosaikfußboden, dicke Säulen, hohe Decken. Dazu das Preußische Streichquartett der Staatskapelle Berlin mit Stücken von Mozart. Die Einstein Stiftung feierte diese Woche ihr zehnjähriges Bestehen. Angemessen, möchte man sagen. Denn die Stiftung, durch die Spitzenprofessoren nach Berlin geholt werden, ist erfolgreich. Da darf man auch mal im Apollosaal der Staatsoper diese Erfolgsgeschichte würdig begehen.

Solch eine Pracht – wie in der frisch sanierten Staatsoper – sei in Zürich so nicht zu finden, sagte Professor Olaf Kübler, Stiftungsratsvorsitzender der Einstein Stiftung und ehemalige Präsident der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Mittendrin in dieser illustren Gesellschaft von Professoren, Mitarbeitern und Unterstützern der Einstein Stiftung: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Michael Müller kann als Wissenschaftssenator agieren

Endlich mal, so möchte man meinen, ein Termin, bei dem der lautstark in Berlin ausgetragene Klassenkampf gegen Vermieter und Wohnungskonzerne außen vor bleiben konnte. Im Apollosaal, gern genutzt für würdige Empfänge, konnte Berlins Regierender Bürgermeister ganz das sein, was ihm offensichtlich am meisten Freude im politischen Betrieb bereitet: das Agieren als Wissenschaftssenator.

Müller betreut nämlich auch den Bereich Wissenschaft. Das hat einen großen Vorteil: Er muss sich (fast) nicht mit seinen Koalitionskollegen von den Grünen und den Linken herumstreiten. Das, was ihm häufig das Alltagsgeschäft vermiest, die schwierige Abstimmung in einer Dreierkoalition, diesen Ballast trägt Müller als Wissenschaftssenator nicht mit sich herum.

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Und so verwundert es nicht, dass der Regierende Bürgermeister an diesem Abend das Ambiente nicht nur als einen angemessenen Ort für das Jubiläum bezeichnete. Er betonte, dass das auch ein sehr schöner Tag für ihn persönlich sei. Immer mehr Termine fänden sich in seinem Kalender, die direkt mit der Wissenschaft in Berlin zu tun hätten, so Müller in seiner Ansprache.

Wissenschaft ist gewissermaßen eine Wohlfühloase für Michael Müller

Kleiner Einschub: Die Wissenschaft ist ja auch ein Bereich in Berlin, in den viel, sehr viel Geld fließt und in dem es viele Erfolge zu feiern gibt. Wenn man so will, ist die Wissenschaft gewissermaßen eine Wohlfühloase für Michael Müller. Hier kann er an Erfolge der Vergangenheit anknüpfen und auch selbst gestalten. Unter anderem Müller und seinem Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach ist es zu verdanken, dass es bei der Zusammenarbeit der Universitäten beispielsweise bei der Exzellenzinitiative große Fortschritte und dann auch Erfolge gab.

Zurück zur Einstein Stiftung. Müller erinnerte sich bei der Jubiläumsfeier daran, wie der damalige Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) auf ihn, den damaligen Fraktionsvorsitzenden zugekommen sei, mit der Idee, über eine Stiftung, ausgestattet mit Millionenbeträgen des Landes, Eliteforscher nach Berlin zu holen. Ein solches Projekt traf damals schon auf Widerstände bei den Grünen und den Linken. Eliten-Förderung mit öffentlichem Geld? Aber Müller und Zöllner konnten die Idee mithilfe des damaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) umsetzen, wenn auch mit holprigem Start, wie Müller sich am Montagabend erinnerte.

Nun, zehn Jahre später, freute sich Berlins Regierender Bürgermeister über die Erfolgsgeschichte Einstein Stiftung. Und über bürgerliches Engagement. So erwähnte Müller ausdrücklich den Kieler Unternehmer und Mäzen Walter Wübben, der die Einstein Stiftung in den nächsten Jahren mit 30 Millionen Euro unterstützen wird. Berlin wird 15 Millionen Euro dazugeben.

Bei seinen Koalitionspartnern im rot-rot-grünen Senat ist solches Mäzenatentum politisch immer eher verdächtig. Müller aber freute sich an diesem Abend im prächtigen Apollosaal der Staatsoper über die Spende.