Aus dem Roten Rathaus

Teurer Luxus für Michael Müllers Bahnhof

Auf der neuen U-Bahnlinie 5 sind die Stationen besonders schön. Am Roten Rathaus gibt es einzeln angefertigte Terrazzo-Platten.

Foto: Jörg Krauthöfer/Reto Klar/BM Montage

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) freute sich öffentlich. Solange hätten er und auch sein Vorgänger Klaus Wowereit auf die Baustelle vor ihrem Büro geschaut, sagte er bei der Eröffnung des Hoffestes am Dienstag. Seit Jahren baut dort eine Projektgesellschaft der Berliner Verkehrsbetriebe den neuen U-Bahntunnel „Rotes Rathaus“. Bauzäune und Baugrube waren unübersehbar, sperrten sie doch weite Teil des Vorplatzes des Roten Rathauses ab. Doch das ist vorbei. Die oberirdische Baustelle ist geschlossen. Müller hat nun freien Blick. Und das Rathaus hat wieder einen Vorplatz. Auf diesem wurde das traditionelle Hoffest eröffnet. Eigentlich war die Stimmung gut – wären da nicht zwei Dinge gewesen.

Erstens hatte der Gastgeber nämlich eigentlich schlechte Laune. Denn nur Stunden zuvor hatten sich Müller und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) auf der Senatssitzung über die Anwesenheitspflicht von Senatoren während der Abgeordnetenhaussitzung heftig gestritten. Und zweitens war das mit dem unterirdischen Bahnhof auch so eine Sache. Denn da bahnt sich Übles an.

3000 Terrazzo-Platten für den Bahnhof Rotes Rathaus

Während nämlich BVG-Chefin Sigrid Nikutta auf dem Hoffest für einen Besuch d

er unterirdischen Baustelle des neuen U-Bahnhofs warb („Kommt alle rein, schaut euch diesen tollen Bahnhof an“), war die Aufsichtsratsvorsitzende der BVG alles andere als in Sektlaune. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zeigte sich verwundert.

Im Bahnhof Rotes Rathaus gibt es nämlich echten Luxus. 3000 Terrazzo-Platten werden dort angebracht. Schick sehen sie aus. Schwarz mit kleinen weißen Steinchen. Das Problem: Von den 3000 Wandtafeln muss die Hälfte sehr aufwändig in Einzelarbeit angefertigt werden. Mit einer eigenen Schalung, maßgeschneidert und maßgefräst, mit einer individuellen Krümmung. Das hat gleich mehrere Gründe: Zum einen liegt das an der Beschaffenheit des Bahnhofs. Der hat nämlich eine Neigung und eine Krümmung. Wenn man also einzelne Wandplatten für die Vertäfelung anbringt, müssen sie zu einem Großteil eben diese Krümmungen aufweisen.

525 Millionen Euro für 2,2 Kilometer U-Bahnstrecke

Der zweite Grund: Als in den 90er-Jahren die U5 konzipiert wurde, wurde jeder der Bahnhöfe besonders schick geplant. Nun einfach auf die aufwändige und damit sehr, sehr teure Vertäfelung mit den Terrazzo-Platten zu verzichten, geht aus urheberrechtlichen Gründen nicht mehr. Denn der Architekt, der die Ausschreibung gewann, könnte dann die BVG auf Schadensersatz verklagen. Das musste auch Pop, die sich zwischenzeitlich bei der BVG erkundigt hatte, zu ihrem Bedauern erfahren. Das von ihren Vorgängern geerbte Problem ist nicht mehr zu lösen. Die genauen Kosten für die Einzelanfertigung wollte man diese Woche bei der Projektgesellschaft nicht mitteilen. Aber Experten gehen davon aus, dass jeder der neuen Bahnhöfe der U-Bahnline 5 einen zweistelligen Millionenbetrag kostet. Die Gesamtsumme der U-Bahnstrecke vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz wird bei 525 Millionen Euro liegen – für 2,2 Kilometer U-Bahnstrecke.

Was der Aufsichtsratschefin der BVG auch Sorgen macht, ist die Zukunft. Denn wenn eine der 1500 einzeln angefertigten und durchnummerierten Wandtafeln kaputt ist und ausgetauscht werden muss, muss sie auch einzeln wieder angefertigt werden. Ein großes Lager mit Ersatz-Wandtafeln gibt es nicht. Und das wird für die BVG dann wieder teuer. Aber, wie gesagt, schick sehen sie aus, die neuen Tafeln.

Das stellte auch Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) fest, als er einige internationale Gäste während des Hoffestes stolz durch den an diesem Abend blau beleuchteten Bahnhof führte. Der Bahnsteig selbst wird nach seiner Eröffnung allerdings wohl kaum von den Senatoren und dem Regierenden Bürgermeister regelmäßig frequentiert werden. Denn zur Senatssitzung fährt man in der Regel mit dem Dienstwagen.