Aus dem Roten Rathaus

Als Michael Müller einmal in Angela Merkels Bett schlief

Randnotizen der Australienreise des Regierenden Bürgermeisters und Bundesratspräsidenten Michael Müller.

Gilbert Schomaker begleitete den Regierenden Bürgermeister Michael Müller nach Australien

Gilbert Schomaker begleitete den Regierenden Bürgermeister Michael Müller nach Australien

Foto: Gilbert Schomaker/Reto Klar/BM Montage

In den vergangenen Tagen haben Sie vieles über die Australienreise des Regierenden Bürgermeisters und Bundesratspräsidenten Michael Müller (SPD) in dieser Zeitung lesen können. Über Müllers politische Gespräche, über die Digitalisierung des Gesundheitswesens und Besuche in Universitäten und In­stituten. Aber es gibt noch einiges, was am Rande der Reise geschah. Dabei geht es um weiße Tischdecken, Kinder in Schuluniformen und das Bett der Kanzlerin.

Beginnen wir mit den Tischdecken und Michael Müller. Es war am Freitag vergangener Woche, dem vierten Tag der Australienreise. Die Delegation war am späten Nachmittag in Sydney angekommen. Offizielle Programmpunkte standen nicht mehr an. Also nutzten viele Reiseteilnehmer aus Berlin die Möglichkeit, sich Sydney anzuschauen oder zumindest einen ersten Blick auf die weltberühmte Oper zu werfen. Der Circular Quay, also die Anlegestege der Fähren in Sydney, war fußläufig vom Hotel zu erreichen. Dort gab es den Blick aufs Wasser und auf das Opernhaus. Also nicht so schlecht für einen ersten Abend in der australischen Millionenmetropole.

Doch der General­konsul hatte mit Müller anderes vor. Er wollte ihn gleich in ein Restaurant oberhalb des Ausgehviertels „The Rocks“ mitnehmen. Aber Müller stoppte das Vorhaben, schlenderte zum Quay und fotografierte die angestrahlte Oper. Wenig später trafen sich viele Delegationsteilnehmer im „The Squire’s Landing“, einem Pub mit Livemusik. Im Obergeschoss gab es Bier und Burger und ein Geständnis von Müller. Er habe es seinem Stab, der die Reise vorbereitet habe, auch immer wieder gesagt: Er wolle nicht auch noch abends, nachdem man den ganzen Tag in Tagungshotels verbracht habe, in Restaurants mit weißen Tischdecken sitzen. Nein, Müller wollte abends dorthin, wo auch die Australier ihren Abend verbringen, die ganz normalen Australier, eben die Bier- und-Burger-Fraktion. Der Generalkonsul nahm den Wunsch in Kauf, trank zwei Bier und verabschiedete sich früh.

Müller gönnte sich an Bord ein wenig Schlaf

Nur einige Stunden zuvor hatte der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD), sein besonderes Australienerlebnis. Die Delegation besichtigte am Freitagmorgen die Queensland Art Gallery und die Gallery of Modern Art in Brisbane. Die Museen widmen sich australischen Künstlern und sind offenbar auch Pflichtprogramm für viele Schulen. Denn die Besucher waren dank ihrer Schuluniformen nicht zu übersehen. Da fiel Wieland die Geschichte aus einem Wahlkampf in Berlin ein. Als er einmal in Wedding einen Verein türkischer Mütter besuchte, klagten die über dreckige Straßen, kriminelle Banden und den Markenterror ihrer Kinder. Immer müssten es die teuersten Klamotten sein, mit denen man zur Schule geht. Könne man das nicht ändern? Schuluniformen wären eine Lösung, so sieht es bis heute auch Wieland. Allerdings ist eine Pflicht wie in Australien in Berlin nicht durchzusetzen. Aber schön wär’s, so Wieland.

Am Dienstagabend flog die Delegation im A 340 der Flugbereitschaft zurück nach Berlin. Von Canberra, der Hauptstadt Australiens, ging es über Singapur zurück nach Deutschland. Dieses Mal ohne Wartezeit in der Luft. Auf dem Hinweg war der große Regierungsflieger, auf den der Bundesratspräsident Müller bei seinen Fernreisen einen Anspruch hat, ja vor Kasachstan eine über einstündige Warteschleife geflogen. Die kasachische Luftüberwachung gab erst nach diversen Telefonaten grünes Licht für den Überflug. Auf dem Rückweg mied der Pilot das Land und wählte eine Route über den Nahen Osten. Der Flug lief reibungslos ab, sodass sich nach einigen letzten Arbeitsgesprächen auch Michael Müller endlich eine Pause gönnen konnte. Weil das Regierungsflugzeug ansonsten auch von Mitgliedern der Bundesregierung genutzt wird, konnte Müller im einzigen Bett an Bord wenigsten einige Stunden Schlaf finden. In dem Bett, in dem auch Bundeskanzlerin Merkel manchmal Ruhe sucht.