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Durchfahren bei Verspätungen: Ein sommerlicher Aprilscherz

Die Idee der S-Bahn, bei Verspätungen an Stationen nicht zu halten, wird doch nicht realisiert. Zum Glück, meint Christine Richter.

Eine S-Bahn am Bahnhof Zoo (Archivbild)

Eine S-Bahn am Bahnhof Zoo (Archivbild)

Foto: dpa

Berlin. „Das ist ein Aprilscherz“, habe ich gedacht, als vor einigen Tagen der Plan der S-Bahn bekannt wurde, bei Verspätungen an einigen Stationen nicht zu halten. Mein zweiter Gedanke: „Dann kann die S-Bahn ja gleich überall durchfahren, denn sie ist ja meistens zu spät dran.“ Nun, das ist ein bisschen übertrieben, aber wie oft kommt ein Zug zu spät, wenn er nicht gar ganz ausfällt.

Die S-Bahn-Verantwortlichen, allen voran Chef Peter Buchner, meinten es zumindest ernst. Weil die Zahl der Verspätungen so groß ist, weil man die Qualität verbessern möchte, wollte das Verkehrsunternehmen ausprobieren, ob die S-Bahnen an zwei Haltestellen durchfahren können, damit sich die nachfolgenden Züge nicht auch noch verspäten.

In München wird das schon praktiziert, und die Fahrgäste wollte man per Durchsagen frühzeitig informieren. Sie hätten dann eine Station eher aussteigen müssen – oder, falls sie die Information verpasst hätten, wieder zurückfahren müssen. Wie das alles funktionieren sollte, das erklärte die S-Bahn zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Denn mit einem Fahrschein darf man eigentlich – innerhalb eines Zeitraums von zwei Stunden – nur in einer Richtung unterwegs sein. Hätte man dann Kulanz walten lassen, wenn man eine Station zu weit gefahren ist?

Nun, die Frage muss nicht mehr beantwortet werden, die Verantwortlichen gaben ihren Plan am Mittwoch, einen Tag vor der Pressekonferenz, bei der sie ihre Qualitätsoffensive bekannt geben wollten, offiziell auf. Weil die öffentlichen Reaktionen so harsch ausgefallen waren, weil wohl auch die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen) nicht begeistert war.

Eine gute Idee, wie man ein bisschen Zeit gewinnt, findet sich in dem Plan der S-Bahn aber auch. An den wahrlich immer vollen Stationen zwischen Ostkreuz und Hauptbahnhof sollen die S-Bahn-Türen künftig automatisch öffnen. Ich steige oft am Alexanderplatz oder der Friedrichstraße zu – und da bilden sich regelmäßig, selbst jetzt im Sommer, vor den S-Bahn-Türen Menschentrauben, weil die Türen erst auf Knopfdruck geöffnet werden, weil die, die rein wollen, denen, die raus wollen, erstmal keinen Platz machen. Es könnte ein bisschen schneller mit dem automatischen Öffnen der Türen gehen. Keine schlechte Idee. Ich bin gespannt.

Neuer Feiertag in Berlin: Wie wäre es mit einer Volksbefragung?

Und gespannt bin ich auch, wie das mit dem Berliner Feiertag weitergeht. Michael Müller, unser Regierender Bürgermeister, hat sich getraut – und sich auf den 18. März als neuen Feiertag in Berlin festgelegt. Mit diesem Tag will er an die Märzrevolution im Jahr 1848 erinnern, als sich die Bürger gegen den Kaiser stellten und für Demokratie und Pressefreiheit eintraten und viele dabei ihr Leben verloren. Ein interessanter Vorschlag, auch wenn ich persönlich für den 17. Juni – den Tag des Arbeiteraufstandes im Jahr 1953 in der DDR – bin. Und es gibt ja noch ein paar andere Vorschläge – die einen plädieren für den Frauentag am 8. März, die anderen für den Tag des Kriegsendes und der Befreiung von der Nazi-Herrschaft am 8. Mai oder für den 9. November, an dem wir uns an die Novemberrevolution 1918, an die Pogromnacht 1933 oder an den Mauerfall 1989 erinnern.

Interessant wäre es, wenn die Berliner selbst über ihren Feiertag entscheiden könnten. So wie über die Zukunft des Flughafen Tempelhofs oder die des Flughafens Tegels. Die Berliner Verfassung sieht zwar kein Referendum, das durch die Regierung initiiert wird, vor, aber wie wäre es mit einer Volksbefragung? Leider befürchte ich, wird der rot-rot-grüne Senat über den neuen Feiertag entscheiden – ohne Volkes Stimme zuvor hören zu wollen. Und ob Müller sich gegen die Linken, die sich auf den 8. Mai festgelegt haben – klar, an den 17. Juni wollen sie am liebsten auch nicht erinnert werden­­ –, durchsetzen wird? Ich bin gespannt.

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