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Müller in Jordanien: Reisehinweise für den Regierenden

In der Funktion als Bundesratspräsident fährt Michael Müller in den Nahen Osten nach Jordanien. Gilbert Schomaker gibt Reisetipps.

Gilbert Schomaker. Ressortleiter Lokales Berliner Morgenpost

Gilbert Schomaker. Ressortleiter Lokales Berliner Morgenpost

Foto: Frank Lehmann

Das wollte Sawsan Chebli so nicht stehen lassen. Die Staatssekretärin für Internationales in der Berliner Senatskanzlei musste handeln. Der Journalist und Schriftsteller Yassin Musharbash hatte in einer Kolumne für die „Zeit“ augenzwinkernd vor dem Autoverkehr in Jordanien „gewarnt“. Dort sei das Autofahren wie ein extrem realistisches Computerspiel. Das Ziel sei, möglichst kein anderes Fahrzeug zu touchieren und keinen Zivilisten zu überfahren. Hupen gebe Extrapunkte, Blinken Abzüge. Chebli musste schmunzeln und reagierte auf Twitter. „Jordanier sind verglichen mit den Libanesen in Sachen Autofahren die zivilisierten Europäer.“ Chebli muss es wissen: Ihre Eltern stammen aus Palästina, und sie selbst war häufig im Nahen Osten unterwegs. Anfang April geht es für Chebli nun wieder nach Jordanien. Ihr Chef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, besucht in seiner Funktion als Bundesratspräsident das Land.

Es war Müllers Entscheidung in seiner Funktion, die ihn zu einem der wichtigsten Repräsentanten der Bundesrepublik macht, nach Jordanien zu fahren. In Israel war der Regierende Bürgermeister schon. Das Nachbarland Jordanien gilt als wichtiger Stabilitätsfaktor im Nahen Osten. Müller interessiert besonders die Flüchtlingsproblematik. Jordanien gehört zu den Ländern, in die besonders viele Syrer aufgrund des Bürgerkriegs geflüchtet sind. In den vergangenen Jahren kamen zwischen 700.000 und eine Million Menschen – die genaue Zahl ist nicht bekannt. Müller will sich bei einigen Politikern, unter anderem dem Bürgermeister von Amman, darüber informieren, wie die Jordanier mit den Problemen umgehen. Viele Syrer leben in den Großstädten. Aber auch ein Besuch im Flüchtlingslager Al-Asrak steht auf dem Programm.

Noch ist vieles im Werden für Müllers Dienstreise. Das ist häufig so bei Auslandsvisiten. Zwar kann der reisende Staatsgast Wünsche äußern. Aber ob beim Gegenüber alle Termine auch machbar sind, klärt sich oft kurzfristig. So ist zum Beispiel von Berliner Seite beabsichtigt, sich mit ranghohen Vertretern des jordanischen Königshauses zu treffen. Eigentlich könnte das für den Bundesratspräsidenten König Abdullah II sein. Doch nach bisheriger Planung ist der König zu dem Zeitpunkt nicht im Land. Deswegen wird Müller wahrscheinlich mit Prinz Faisal bin Al Hussein, dem Bruder des jordanischen Königs, zusammentreffen. Der Prinz war Kampfpilot und bekleidet den Rang eines Generalleutnants in der königlichen jordanischen Luftwaffe. Da passt es auch gut, dass Müller die in Jordanien stationierten Bundeswehrsoldaten treffen will.

Auf dem Programm stehen aber auch einige touristische Punkte. So ist etwa geplant, die Felsenstadt Petra, die 300 vor Christus gegründet wurde, zu besuchen. Auch ein Abstecher in das Wüstenschloss Qasr Amra ist möglich.

Die Reise wird organisiert von den zuständigen Beamten im Bundesrat, in der Senatskanzlei und mit der deutschen Botschaft in Amman. Chebli, die als Sprecherin des damaligen Außenministers Steinmeier auch schon in Jordanien war, ist in die Planung involviert. In ihrer alten Wirkungsstätte, dem Auswärtigen Amt, hat man sich mit dem Thema Autoverkehr übrigens auch schon beschäftigt. Unter dem Punkt allgemeine Reiseinformationen findet sich: „Aufgrund der zunehmenden Zahl von Verkehrsunfällen und von Verkehrstoten in Jordanien – auch Ausländer sind davon mehr und mehr betroffen – werden Reisende, die ihr eigenes Fahrzeug oder einen Mietwagen benutzen wollen, zu besonderer Vorsicht aufgefordert, vor allem auch bei Überlandfahrten bei Dunkelheit (Tiere auf der Fahrbahn, plötzliche Wendemanöver schlecht beleuchteter Lkw).“

Staatsgäste, wie der Regierende Bürgermeister und Bundesratspräsident müssen sich über die Gefahren des Autoverkehrs allerdings keine Gedanken machen. Die Botschaft besorgt erfahrene Fahrer. Und manchmal gibt es sogar eine hupende Eskorte.

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