Forschungsstandort Berlin

Gemeinsame Exzellenz-Bewerbung: Ein Risiko für Berlins Unis

Berlin Universitäten haben sich gemeinsam für die Exzellenzinitiative beworben. Mit etwas Pech gehen dadurch am Ende alle leer aus.

Berlins Universitäten haben sich gemeinsam für die Exzelenz-Initiative beworben (Archiv)

Berlins Universitäten haben sich gemeinsam für die Exzelenz-Initiative beworben (Archiv)

Foto: Frank Lehmann

Berlin. Es gibt sie doch noch: die schönen Termine, diejenigen, die dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) Spaß machen. Und die Termine, auf denen er Lob und Würdigung seiner Arbeit erhält. Aber in dieser Woche nicht in seinem Hauptjob als Regierender Bürgermeister.

Michael Müller saß am Mittwochabend in der Industrie- und Handelskammer an der Fasanenstraße. Die IHK hatte zu einer Diskussion mit dem Titel „Exzellente Wissenschaft für Berlin – Potenziale bündeln“ geladen. Dazu muss man wissen, dass Müller sozusagen im Nebenjob auch noch Wissenschaftssenator ist.

Müller steckt viel Geld in die Wissenschaft

Jetzt ist der Titel Nebenjob fast eine Untertreibung. Denn die Förderung der Wissenschaft in Berlin will Müller zu einem seiner Kernthemen machen. Durch die Spitzenforschung und die Ausgliederung von Start-ups sollen hochwertige Arbeitsplätze entstehen. Und dafür hat Müller mit seinem rot-rot-grünen Senat den Universitäten auch viel Geld zur Verfügung gestellt.

In dem am Donnerstag im Abgeordnetenhaus verabschiedeten Haushalt für 2018/19 ist vorgesehen, die Zuschüsse an den Universitäten und Hochschulen von aktuell 1,23 Milliarden Euro auf 1,28 Milliarden Euro in 2018 und 1,33 Milliarden Euro im darauf­folgenden Jahr zu erhöhen. Gern hätte Müller auch mehr Geld bereitgestellt.

In der IHK-Diskussion angesprochen, ob da manchmal auch der Wissenschaftssenator Müller mit dem Regierenden Bürgermeister Müller ringe, sagte der Zwei-in-einem-Bürgermeister, er müsse als Regierungschef immer auch auf das große Ganze schauen. Die Präsidenten der Universitäten, die ebenfalls auf dem Podium saßen, nickten. Zeigten sie sich doch mit dem – auch finanziellen – Schwerpunkt Wissenschaft zufrieden.

Die Probleme der Unis sind der große Andrang und die Wohnungsnot der Studenten

Doch die Probleme der Berliner Universitäten liegen nicht unbedingt in der Unterstützung der Spitzenforschung. Das Hauptproblem ist der enorme Andrang von Studenten und die daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Lehre und der Wohnungsnot. Gerade bei Letzterem kommt der Senat nur schrittweise voran. Von den 5000 zusätzlichen Wohnheimplätzen, die noch Müllers Vorgänger Klaus Wowereit versprochen hatte, sind bisher nur einige Hundert umgesetzt.

Aber an diesem Abend ging es weniger um die Probleme der Studenten. Exzel­lenz sollte im Mittelpunkt stehen. Und da konnte Müller auf Erfolge verweisen. Denn einen Tag vor der Diskussion verkündete die Senatskanzlei stolz, dass die vier Berliner Universitätseinrichtungen (die Charité, die Freie Universität, die Humboldt-Universität und die Technische Universität) eine Zusammenarbeit mit der englischen University of Oxford vereinbart haben. So sollen unter anderem ein Oxford-Berlin-Forschungszentrum in Berlin und ein „Berliner Haus“ in Oxford entstehen. Studenten und Forscher sollen sich austauschen.

Universitäten könnten Spitzenförderung gemeinsam gewinnen - oder verlieren

Das Besondere an der Vereinbarung ist der Verbund der Berliner Hochschuleinrichtungen. Bis vor wenigen Jahren arbeitete man im Wettbewerb um Zuschüsse und Forscher noch gegeneinander. Mittlerweile gibt es die Einsicht, gemeinsam nach außen aufzutreten. So wollen die drei Berliner Universitäten und die Charité gemeinsam im Wettbewerb um die Exzellenzinitiative antreten. Dabei geht es um viele Millionen Euro, die der Bund auslobt.

Das ist allerdings nicht ohne Risiko. Denn entweder gewinnt man gemeinsam oder man verliert gemeinsam. Würden die Unis einzeln antreten, gäbe es vielleicht im ein oder anderen Bereich andere Möglichkeiten. Immerhin konnte die Freie Universität mehrmals die Auszeichnung erringen. Die Berliner haben sich aber für das gemeinsame Auftreten entschieden.

Was passieren kann, wenn die Entscheidung gegen Berlin ausfalle, wollte der Moderator vom Senatschef wissen. Michael Müller, der in den vergangenen Wochen nicht gerade von Erfolgsmeldungen und Umfragewerten verwöhnt ist, sagte: „Da mache ich mir über die Kommentare keine Illusionen.“

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