Dienstreise

Was Michael Müller in der Mongolei vorhat

Berlins Regierender Bürgermeister tritt in die Fußstapfen von Bundeskanzlerin Angela Merkel – in Ulan Bator.

 Michael Müller

Michael Müller

Foto: DAVIDS/Darmer

So ein Leben als Regierender Bürgermeister von Berlin ist ja nicht immer nur Spaß. Da sind zwar die roten Teppiche und die vielen Festveranstaltungen, zu denen der Regierungschef qua Amt eingeladen wird. Und wer Michael Müller kennt, der weiß, dass er gern auch mal das Handy zückt, um ein Erinnerungsfoto zu machen. Aber vieles, was hinter verschlossenen Türen passiert, ist eher unspektakulär. Denn regieren heißt auch viele Akten lesen. Um in den Themen drin zu sein, um immer mitreden zu können und um am Senatstisch die Senatoren mit geschickten Fragen zu quälen. Regieren heißt auch immer, in langen Sitzungen mit den Koalitionspartnern Probleme zu lösen. Da kommt hin und wieder eine Dienstreise eigentlich ganz gelegen, um vom Alltagsstress Erholung zu finden.

Müller hatte in der Vergangenheit schon einige Gelegenheiten, Berlins Partnerstädte zu besuchen und dadurch die Welt zu erkunden. Er war mal in Los Angeles in Amerika und auch in Buenos Aires in Argentinien. In dieser Woche geht es nun nach Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei.

Ulan Bator ist ähnlich weit weg wie L. A. oder Buenos Aires. Man fliegt so zwischen neun und 13 Stunden. Und was Müller am Montag und Dienstag erwartet, ist auch viel Arbeit. Die mongolische Hauptstadt steht vor ähnlichen Problemen wie Berlin, zumindest was die wachsende Stadt betrifft. Eigentlich mal für 600.000 Menschen geplant, leben dort nun 1,3 Millionen Einwohner. Es gibt ganze Viertel im Außenbereich, in denen die Menschen in Jurte-Zelten leben. Viele einstige Nomaden zieht es in die Hauptstadt. So sagte Müller auch vor der Reise: „Ulan Bator steht vor Problemen mit den Folgen starker Zuwanderung, wachsenden Verkehrs und zunehmender Luftverschmutzung.“ Deswegen werde er mit seinem Amtskollegen Batbold Sundai Fragen der Stadtentwicklung erörtern, so Müller.

"Am Berliner Hauptbahnhof sieht es aus wie in Ulan Bator"

Der Regierende Bürgermeister ist ja – wenn man es etwas despektierlich sagen darf – im Nebenjob auch Wissenschaftssenator. Das will er auch in Ulan Bator nutzen. Es gehe bei der Reise auch um die Förderung der Beziehungen der Humboldt-Universität und der staatlichen Universität der Mongolei. Deswegen wird der Regierende Bürgermeister auch von der Präsidentin der Humboldt-Universität, Sabine Kunst, begleitet. In einer Mitteilung der Senatskanzlei spielte auch eine weitere Frau eine Rolle. Müller knüpfe an einen Besuch der Bundeskanzlerin von Juli 2016 an, um die guten und jahrelangen Beziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland und zwischen Ulan Bator und Berlin zu festigen. Oder mit anderen Worten: Nur wenige Jahre im Amt tritt Müller in die Fußstapfen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) – in Ulan Bator.

Es könnte also eigentlich eine schöne Dienstreise werden. Wäre da nicht eine Angewohnheit der Mongolen, die dem Regierenden Bürgermeister ein wenig aufstößt. Und das ist wörtlich zu nehmen: Der Fleischkonsum der Mongolen ist groß. Bei Mittag- und Abendessen wird gern viel aufgetischt von Ziege bis Murmeltier. Müller isst zwar Fleisch, aber Unmengen – das muss nicht sein. Wie groß der Fleischkonsum der Mongolen ist, sieht man auch daran, dass der ehemalige Präsident Nambaryn Enchbajar klagte: „Wir Mongolen essen zu viel Fleisch.“ Als Premierminister verbot er sogar die Murmeltierjagd. Doch die Lieblingsspeise vieler Mongolen findet sich immer wieder auf den Esstischen. Aber vielleicht wird auch bei Müllers diversen Arbeitsessen leichtere Kost aufgetischt.

Ulan Bator? War da nicht mal was auch in Berlin? Ach ja, vor vielen Jahren hatte der Star-Architekt Hans Kollhoff die Hauptstadt der Mongolei für einen Vergleich herangezogen. Am Berliner Hauptbahnhof sehe es aus wie in Ulan Bator, so die beißende Kritik des Architekten. Ob das wirklich so ist? Müller wird es nach seiner Reise berichten können. Nachhaltig negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Berlin und Ulan Bator soll Kollhoffs Spruch nicht gehabt haben.

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