Meine Woche

Wenn der Wahlkampf windig wird

Politiker aller Parteien mühen sich, ihre Anhänger und weitere Wähler für die Europawahl zu mobilisieren. Das klappt mal besser und mal schlechter. Gilbert Schomaker über Auftritt und Fehltritte.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Wahlkampf ist Arbeit. Das bekam diese Woche auch die Bundeskanzlerin zu spüren. Die Berliner CDU hatte ihre Anhänger auf den Breitscheidplatz geladen. Die Stimmung war – bis auf die üblichen Schreihälse in der letzten Reihe – gut. Angela Merkel kämpfte für Europa, schon wegen diverser anderer Auftritte mit leicht heiserer Stimme. Wegen eines anderen Auftritts kam sie leicht verspätet. Sie warb für Europa, für eine EU mit Wohlstand und Arbeitsplätzen. Alles Wahlkampfroutine.

Doch dann wollte der Moderator unbedingt den Wählern den Menschen Merkel näherbringen. Und genau das mag die Bundeskanzlerin gar nicht. Ihr Privatleben und ihrer Gefühle haben auf den Bühnen nichts zu suchen. Ob sie Angst habe, mit dem Hubschrauber von einer Wahlkampfveranstaltung zur nächsten zu fliegen, fragte der Moderator. Merkel hob die Augenbrauen. Angst? Man weiß, dass sie Respekt vor Hunden hat, aber vor Hubschraubern? Nein. Da verlasse sie sich ganz auf die Piloten. Bei zu vielen Wolken oder Wind starte man erst gar nicht. An diesem Tag wehte der Wind nur leicht.

Alle wollen mit Hertha punkten

Mit dem Privaten auf den Wahlkampfbühnen ist das ja so eine Sache. Die Moderatoren versuchen damit den Politiker den Menschen auf den Plätzen der Republik näherzubringen, sympathischer zu machen. Das klappt – siehe im Fall Merkel – mal besser und mal schlechter. Es hängt ja auch immer von den Politikern selbst ab. David McAllister stand an diesem Tag auch auf der Bühne am Breitscheidplatz. Der Spitzenkandidat der CDU und ehemalige Landespolitiker in Niedersachsen mühte sich, sich einen Berliner Anstrich zu geben.

Bis zu seinem elften Lebensjahr habe er in Berlin gelebt, erzählte McAllister und berichtete von Bundesjugendspielen im Mommsenstadion und dem Rodeln auf dem Teufelsberg. So weit, so menschlich. Doch dann musste der Christdemokrat unbedingt noch die Hertha ansprechen. Irgendwie meint anscheinend jeder Politiker, er müsse mit Hertha punkten.

Bürgernähe am Blumenbeet zu Wahlkampfzwecken

Dabei hatte der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen schon mal von sich selbst gesagt, er sei eher ein „durchschnittlicher Fußballfan“. Er wünsche sich Hertha in der nächsten Saison ganz oben in der Tabelle. Wer die Mannschaft in der zweiten Hälfte dieser Bundesligasaison gesehen hat, wünscht sich, dass sie im nächsten Jahr nicht absteigt.

Aber nicht nur die Europa- und Bundespolitiker sind in diesen Tagen auf Stimmenfang. Auch in Brandenburg wirbeln die Wahlkämpfer. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will seinen Titel verteidigen. Dafür nimmt er auch einiges in Kauf. So prämierte er beim Gartenfestival in der historischen Schlossgärtnerei Branitz den ersten Sieger des Blumensteck-Wettbewerbs. Bürgernähe am Blumenbeet. So funktioniert halt Wahlkampf.