Nachtgestalten

Mops Arnold rettete obdachlose Menschen

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Dieter Puhl
Dieter Puhl, Berliner Bahnhofsmission, war Berliner des Jahres 2018

Dieter Puhl, Berliner Bahnhofsmission, war Berliner des Jahres 2018

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Wenn es um Tiere geht, öffnen wir unsere Herzen. Wie ein Hund zum Botschafter der Bahnhofsmission wurde.

Ich liebe Tiere. Ich liebe Tiere. Ich liebe … Und ich stelle das voran, weil ich mich wirklich nicht mit anderen Tierfreunden anlegen möchte. Ich bin mit einem Hund groß geworden, er war mir in meiner Kindheit ein toller Begleiter. Meine Tochter hatte, als sie klein war. ein Meerschweinchen, für die Versorgung war dann meist ich zuständig. Diese Woche kam ich ja aus Kreta zurück, zu meinem Abschiedsfrühstück dort am Montag erschienen 15 Katzen. Man kennt und mag sich. Mein Aquarium vernachlässige ich aktuell leider etwas – da kommen sicher aber auch wieder bessere Zeiten. Und vor 30 Jahren war ich im Betreuten Wohnen für obdachlose Menschen tätig, und bereits damals ermöglichten wir unseren Klienten die Haustierhaltung, ein Pilotprojekt mit überwiegend sehr guten Erfahrungen. Ich liebe Tiere. Geschenkt!

Auch in der Bahnhofsmission Zoo waren und sind Menschen mit Tieren übrigens willkommen, in der Speisekammer gibt es Futter und Leckereien für die Hunde und Katzen unserer Gäste. Und meine Kolleginnen und Kollegen brachten zuweilen ihre Hunde mit zum Dienst, alle waren damit einverstanden, nur die Küche war für die Tiere tabu. Meine Stellvertreterin Claudia brachte oft ihren kleinen Mops mit, fast ein Baby noch, ein hübscher, smarter und liebenswerter kleiner Kerl war das.

Und manchmal ist auch Sozialarbeitern etwas langweilig, und als mich dieser Zustand eines Tages überwältigte, setzte ich unseren Youngster an meinen Computer, die Pfoten hübsch auf die Tastatur gelegt und mit der Überschrift „So jung und bereits so viel Pech im Leben. Mein Name ist Arnold“ schrieb der kleine Kerl seinen ersten Post für Facebook. Ein hübsches Foto war auch schnell gemacht.

„Mops, war das schön in Brandenburg, meine ersten zwölf Wochen waren der Hammer, eine super Kinderstube“, hieß es darin. „Die letzten sechs Wochen dagegen waren schwer gewöhnungsbedürftig… Alles fing mit Claudia an, sie tauchte plötzlich auf und hat sich wohl in mich verliebt. Na ja, sie selbst finde ich ja auch toll, ein Frauchen erster Güte. Fast jeden Tag schleppt sie mich nun aber mit zur Arbeit und das ist ne echte Absteige, Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten nennt sich das. Nicht mein Ding. Ziemlich viele Menschen, fast alle doch sehr eigenartig. Gähn, das Schreiben strengt an und ich mache jetzt mal Mittagsschlaf, bin ja noch klein. Wenn ich das schaffe, melde ich mich ab und zu mal bei euch, muss mir den ganzen Frust von der Seele schreiben...“

Was meinen Sie denn, was passierte? Der kleine Geselle schlug ein wie eine Granate, und mir machte es Freude, das weiter zu befeuern. Arnold berichtete schließlich fast täglich aus der Bahnhofsmission und täglich wuchs sein Fan-Kreis. Meine Kollegin Shiva, zuvor in der Modebranche tätig, nähte Arnold aus Stoffresten eine kleine, blaue Bahnhofsmissionsweste, ein leichtes für sie.

Und dann ging die Post richtig ab. Alle Medien stürzten sich auf unseren kleinen Freund, wir gingen durchaus pfleglich mit ihm um – und Arnold wurde schnell zum Helden, der doch nicht unbedingt gleich die Welt rettete, zumindest aber viele obdachlose Menschen. Das wurde zum Selbstläufer. „Arnold hat mich gerettet“ oder „Er hat mir neuen Lebensmut gegeben“, lauteten die Schlagzeilen und dann kam auch das Fernsehen. Und Arnold mutierte zum bekanntesten Sozialarbeiter Deutschlands. Heilung per Handauflegen – an Seichtheit war das manchmal kaum zu überbieten. Es kam Fanpost, es kamen täglich 50 Pakete mit Hundefutter aus dem gesamten Bundesgebiet. Brav beantwortete der kleine Hund jede Zuschrift. Jahre später kommen noch Anfragen.

„Besen, Besen, seids gewesen …“, wir beendeten das aber alles schließlich.

Zuweilen wünsche ich nun obdachlosen Menschen diese Aufmerksamkeit und dieses Mitgefühl. Sagt ein Tierfreund!