Nachtgestalten

Gute Freunde kann niemand trennen

| Lesedauer: 4 Minuten
Dieter Puhl
Dieter Puh, Autor der Kolumne „Nachtgestalten“.

Dieter Puh, Autor der Kolumne „Nachtgestalten“.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Manche Menschen begleiten uns durchs Leben, andere verliert man und vergisst sie dennoch nie. Was sind Ihre Gedanken dazu?

Die Schule war mir nicht geheuer. Geradezu Angst vor ihr hatte ich. Auf dem Weg dorthin traf ich am ersten Tag aber Alwin. Auch er fing da neu an, und es ging ihm ähnlich wie mir. Schnell merkten wir, gemeinsam bekommen wir das wohl besser hin und Alwin wurde mein Freund. Mein erster. Und während der vier Grundschuljahre, damals sagte man noch Volksschule, verbrachten wir enorm viel Zeit miteinander, trafen uns wohl jeden Tag. Nach der vierten Klasse schlugen wir schulisch verschiedene Richtungen ein, unserer Freundschaft tat das nicht gut, sie überdauerte das nicht. Vorbei. Aber nicht vergessen. Ab und zu denke ich gerne an Alwin.

Franz Beckenbauer quälte sich und uns vor Jahrzehnten durch das Lied, die Wahrheit ist oft ja aber gar nicht so kompliziert, unkompliziert konnte Herr Beckenbauer aber prima: „Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein. Weil sie eines im Leben können, füreinander da zu sein.

Mensch, Friedhelm, wir beide waren so 18 Jahre jung und frisch in Berlin, die nächsten Jahre gehörten uns. Seinen Freund regelmäßig und viel zu treffen, das war nicht ungewöhnlich und manchmal sahen wir uns jeden Tag. Tief und vertraut und zärtlich war das. Du und andere, ihr wart Konstanten in meinem Leben. Jens und Jörg gehörten auch dazu – beide sind leider schon gestorben. Manuela, Du warst ja zunächst die beste Freundin meiner damaligen Partnerin; Sabine ging, wir blieben. Seit über 40 Jahren, mal haben wir miteinander zu tun, viel, mal kaum oder wenig, wir lassen aber nicht voneinander. Gut so und danke!

Befreundet und in dieselbe Frau verliebt zu sein, das funktionierte leider nicht, tat weh, wohl allen damals. Lange her. Gelernt habe ich, davon würde ich nun die Finger lassen. Freundschaft ist wichtiger.

Lothar aus Heidelberg und Marcus aus Freiburg, Euch beide Freunde treffen ich überwiegend im Urlaub, meist ja auf Kreta. Das sind dann hübsche und vertraute Runden, seit knapp 30 Jahren. Das Plaudern mit Euch, der Austausch, die Verbundenheit, das ist mir wichtig. Und regelmäßig „überprüfen“ wir gemeinsam unsere Lebensentwürfe, hinterfragen kritisch, wo wir zu Blödmännern geworden sind!

Und manchmal hatten wir alle in den letzten Jahren etwas zu wenig Zeit füreinander, es gab und gibt ja aber auch noch anderes. Arbeit, Partnerschaften, den Job. Andreas – wir sollten das mehr pflegen mit unserer Freundschaft, Richard, Du hast leider viel zu selten Zeit. Orlando, Hilmar und Wolfram – wir sind ganz gut im grünen Bereich – danke, das tut mir gut, und auch in dieser blöden Covid-19-Zeit ging gelegentlich einiges. Andere klagen über Einsamkeit, das nimmt zu, aber es gibt ja auch viele Rezepte dagegen. Nun leben wir hier alle in Berlin ja aber nicht in einer menschenleeren Stadt. Geschätzte Leserinnen und Leser, ist das mit der Einsamkeit auch etwa Ihr Thema, gerne und mit Wohlwollen am Ende einige kleine Ratschläge: Gehen Sie einfach raus. Fernseher aus, „Bares für Rares“ ist verzichtbar, Freunde sind es nicht. Nehmen Sie sich Zeit. Und wenn es mit einem verschollenen Freund oder einer Freundin vor 30 Jahren mal richtig gut war, machen Sie sich auf die Suche, das Internet hilft gut dabei. Denn während Sie von guten, alten Zeiten mit Werner träumen, träumt der ja vielleicht auch von ihnen.

Haben Sie auch eine Freundschaft, von der Sie Dieter Puhl erzählen möchten? Dann senden Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Freundschaft“: aktionen@morgenpost.de